Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426713
mit 
Anwendung auf Schillers YVallc 
znstein. 
199 
daran 
erinnern , 
ihn 
"LUIS 
als 
einen 
nverwegenen 
Charakter" 
zustellen, 
„Der ungesättigt immer Weiter strebend,  
„Dcr unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel." 
Doch ganz entgegengesetzt diesem rohen, abstossenden Eindrucke, 
der in der Geschichte von Parteileidenschaften gesteigert oder be- 
mä-ntelt fortlebt, fasst der Dichter seine künstlerische Aufgabe ihm 
und 
uns 
gegenüber: 
„D0eh euren Augen soll ihn jetzt die Kunst, 
"Auch eurem Herzen menschlich näher bringen. 
„Denn jedes Aeusserste führt sie, die Alles 
"Begrenzt und bindet, zur Natur zurück. 
„Sie sieht- den Menschen in des Lebens Drang." 
Der Mensch als solcher, als ein uns allen gleich empiindendes Wesen, 
soll uns, aus dem verwegenen Charakter herausgeschält, noch als 
Gegenstand der Theilnahme gezeigt werden. 
Wie der Dichter dies bewirkt hat, legt er selbst noch deutlicher 
in dem Abriss dar, den er vom Charakter des Helden in den Briefen 
an Körner giebt. Er hat den Grundzug des Ehrgeizes in ihm nicht 
verwischt, aber durch andere aufgewogen, mit denen er sich unter 
glücklicheren Umständen zur reinsten und glänzendsten Heldengrösse 
hätte mischen können. "Herrschsucht füllt seine Seele nicht aus  
er war empfänglich für Freundschaft  war geneigt zum Vertrauen 
 und eben diese liebenswürdige Inconsequenz stürzte ihn." Liebens- 
würdige Inconsequenz, also das Gegentheil einer festen Charakter- 
eigenthümlichkeit, das ist der Grundzug und die disponirende Eigen- 
schaftffür den tragischen Helden. Zwar in der vollen tragischen 
Verwicklung hat ein verhängnissvoller Zug alle andern Fähigkeiten 
X7Vallenstein's überwachsen, so dass der vorher wärmste Anhänger zu 
ihm 
sagen 
kann : 
"Wie das gemüthlos blinde Elennent,  
"Das furchtbare, mit dem kein Bund zu schliessen, 
"Folgst du des Herzens wildem Trieb allein." 
Früher aber hat sich in dieser reinen Seele das Bild seines grossen 
Herrschertalents ganz anders gespiegelt, hat derselbe Max ihn als die 
edelste, des seltensten Vertrauens Werthe Natur gefeiert und noch, 
als er schon Weiss, zu welchem Schreeklichen sie verirrt ist, ruft er 
sein besseres Selbst in ihm an:
        

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