Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424810
Gehen. 
Stehen und 
obere Endfläche des Kreuzbeins nicht gerade nach oben gerichtet, 
sondern nach oben und vorn, und der Anfang der Wirbelsäule steigt 
über ihr zunächst vorwärts an, um sich dann aber in der Fortsetzung 
nach oben sogleich rückwärts zu biegen. 
Diese Verhältnisse waren den älteren Anatomen nicht vollkommen 
bekannt. Der Grund lag wesentlich darin, dass sie sich an die so- 
genannten natürlichen Skelette hielten, d. h. an solche, deren einzelne 
Stücke noch durch die fest angetrockneten Bänder und dergleichen 
zusammengehalten waren, namentlich die einzelnen Wirbel durch die 
nicht entfernten Zwischenscheiben. Diese schnurrten aber beim Trocknen 
bedeutend 
ein 
und 
die 
einzelnen Wirbel 
setzten 
sich fester aufeinander 
als im frischen Zustande, und dadurch wurde die Rückwärtsbiegung 
der Säule in ihrem unteren Ende vermindert, weil sie auf der natür- 
lichen Ausdehnung der elastischen Zwischenscheiben beruht. Die Brüder 
Weber berichtigten diesen Irrthum und bestimmten die natürliche 
Krümmung der unversehrten frischen Säule genauer, indem sie eine 
Leiche in Gyps eingossen und dann durchsägten, um so die Biegung 
der Säule in möglichst unverändertem Zustande zur Anschauung zu 
bringen. Indem sie nun so die verschiedenen Biegungen derselben, 
insbesondere die des unteren Endes nach hinten kennen lernten, ergab 
sich von selbst, dass, wenn das obere Ende doch schliesslich ziemlich 
gerade aufrecht steht, die Basis, auf der die ganze Säule ruht, nicht 
horizontal sein kann, sondern nach vorn überhängen muss, und so 
lernten wir durch diese Untersuchung zugleich die Neigung des Beckens 
bei aufrechter Haltung kennen. Noch genauer versuchten später 
H. Meyer und Horner diese Untersuchung durchzuführen, indem sie zu 
derselben überhaupt nicht Leichen, sondern lebendige Menschen in 
aufrechter Haltung benutzten, an denen sie nach äusseren Anhalts- 
punkten die Lage der Theile des Rückgrates und des Beckens be- 
stimmten. Das Resultat wich noch etwas mehr als das der Weber'schen 
Arbeit in demselben Sinne von den älteren Vorstellungen ab. 
Es scheint mir nun aber überhaupt nicht wesentlich, diese Be- 
obachtungen bis ins Kleinste genau durchzuführen, da. uns eine auf- 
merksame Betrachtung aufrecht stehender Menschen im täglichen Leben 
lehrt, dass in dieser Beziehung grosse Verschiedenheiten stattfinden, 
nicht nur, wenn wir verschiedene Personen vergleichen, sondern auch, 
wenn wir an uns selbst und anderen wahrnehmen, wie man die Haltung
        

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