Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426655
mit Anwendung auf Schillers 
XVallenstein. 
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Eindruck hindern. Um zu verhängnissvollen Thaten hingerissen zu 
werden, durch die wir einen Menschen sich selbst unglücklich machen 
sehen, muss er den Anreizungen dazu offen sein, weil wir es sonst 
unbegreiflich finden oder als frevelhaftes Spiel ansehen würden. Ein 
damonischer Zug der innern Neigung zum Unrechten, wie er in Jedem 
schlummert, ist bei den tragischen Hauptpersonen (leutlich erkennbar. 
Derselbe Mensch muss aber, ehe er diesem Zuge folgt, auch die 
Fähigkeit und Uebung des Zurückschreckens vor dem Unrecht zeigen, 
wenn er uns nicht mehr ein Gegenstand der Geringschätzung als der 
Theilnahme werden soll. So schirvankend im Kampf zwischen der 
Lust zum Verbrechen und dem Abscheu davor erscheint Macbeth, 
und so wird er von vorn herein von seiner Frau geschildert: 
„Du bist nicht ohne Ehrgeiz, möchtest gerne 
„Gr0ss sein, doch dein Gewissen auch bewahren, 
"Nicht abgeneigt bist du vor unrcchtem 
"Gewinn; doch widersteht dii-"s falsch zu spielen." 
Dieselbe Verbindung von Empfänglichkeit und Wi(lerstandsfahigkeit, 
wie sie sich hier der Anreizung zum verderblichen Handeln gegenüber 
offenbart, muss auch im Ertragen des Leidens vorausgesetzt werden, 
wenn es einen tiefen Eindruck machen soll. Der Mensch, den es be- 
trifft, muss nicht ohne Gefühl, aber auch nicht ohne Fassung sein. 
In dem Kampfe beider erkennen wir, wenn endlich das Leiden über- 
wiegt, die Grösse desselben. Jeder Mensch hat mehr oder weniger 
die Anlage zu beiden, oder glaubt sie doch zu haben, und ver- 
langt sie also auch an dem zu sehen, für den er sich lebhaft inter- 
essiren soll. 
Wenn demnach die Hauptpersonen der Tragödie keine einseitig 
ausgezeichneten Charaktere sind und sein können, sondern in gewöhn- 
licher Weise gemischte Naturen, so bleibt doch ein Unterschied 
zwischen ihnen und dem gemeinen Durchschnittsmenschen, die Grösse. 
Alle Anlagen zu äusserer Erregung, zu innerer Bethätigung sind bei 
ihnen vertreten, aber alle stärker. Sie zeigen das gesteigerte Mass 
der Aktion aller Kräfte, sie erscheinen daher als Helden, befugt und 
befähigt, Alles, was in ihnen arbeitet, mit stolzer Freiheit geltend zu 
machen, Menschen mit klarem Geist und warmem Herzen, Menschen, 
wie man sie sich Wünschen kann. Daher die Liebe und die Hoff- 
nungen, mit denen der alte M00? 
so herzzerreissend von dem rohen 
Henke, Vorträge. 
an seinem Karl gehangen, 
Franz sich muss vorhalten 
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die er 
lassen.
        

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