Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426609
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Kunst der Blimik. 
Vielmehr kann 
wahr sein soll. 
sie 
weit 
eher 
lehren 
und 
vorbildlich 
darstellen , 
W38 
Aber gewisse Typen giebt es allerdings im Leben, die denen, 
welche die Kunst in verschiedenen Stilarten ihrer Darstellung fixirt, 
einigermassen entsprechen mögen, Typen der Zeit und der Nation, 
der Bildungsstufe und der Individualität. Der rohe Mensch lässt sich 
gehen, und besondere Bewegungen, mit denen er etwas ausdrückt, 
macht er nur in primitiv einfacher Art; feinere Empfindungen hat er 
nicht. Der Durchschnittsmensch der Bildung dagegen hat sich ein 
gewisses conventionelles Mass von Zucht und Ordnung in seinem 
Denken und Thun, und so auch im Gebrauche seiner Gliedmassen, 
angeeignet, welches man, wenn es zu einer stilhaften Abrundung ge- 
langt, selbst eine Art Kunstwerk darstellt, Anstand und Würde nennt. 
Der bedeutende Mensch, welcher sich auch über dies Mass hinaus 
noch frei gehen lassen kann, verschmäht diesen Zwang. Er ruht auch 
körperlich wieder mehr in sich und folgt nur den Impulsen des 
geistigen Lebens mit einzelnen, entschiedenen körperlichen Geberden. 
Und dies gilt uns als wahr, und danach beurtheilen wir die Menschen. 
In einem soeben erschienenen naehgelassenen Werke meines Vaters 
finde ich bei Gelegenheit der Gesten, die ein Prediger bei seiner Rede 
machen kann, darf oder soll, die Bemerkung: „eine kraftvolle, rasche 
Bewegung, welche unwillkürlich erfolgt, wird immer ein eehteres 
Zeichen innerer Bewegung sein, als alle noch so ästhetisch schönen 
Wiellenbew egungen. "t 
Die Menschen des Alterthums müssen viel Anstand gehabt haben, 
wenn wir nach dem in den Werken ihrer Künstler {ixirten Ideal ihres 
Lebens schliessen dürfen, und noch heute haben die südlicheren 
Völker Europas viel von dieser Anmuth und Würde, die den ganzen 
Körper gleichmässig beseelt. Wir Modernen, insbesondere wir Ger- 
manen, haben weniger Grazie, mehr Ungeberdigkeit, aber auch mehr 
unmittelbare Energie, und dadurch im einzelnen Falle mehr Indivi- 
dualität im Ausdruck der Bewegung. Wir sind nicht so plastische 
Menschen, dafür aber desto dramatischere. 

        

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