Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424801
aufrechte 
Die 
Menschen 
Haltung des 
übertragen wird, ursprünglich nur vom Menschen hergenomlnen, denn 
nur bei der aufrechten Haltung des Menschen ist dies Gebilde mit 
einer Säule sehr natürlich vergleichbar. Bei allen Thieren, wo es 
vorkommt, stellt es eine zusammenhängende Reihe von kurzen Knochen 
dar, welche fest miteinander verbunden einen stabförmigen Stil bilden, 
an den wie an eine mitten hindurchgehende Achse die übrigen Theile 
des Rumpfes angesetzt sind. Es läuft bei den Thieren horizontal vom 
Kopf bis in den Schwanz aus, der seine letzte dünne Fortsetzung ist. 
Beim Menschen aber steht es aufrecht, wie eine Säule, auf deren oberem 
Ende der Kopf ruht. Die Aehnlichkeit mit einem Säulenschaft ist 
freilich nicht übermässig, vor allem deshalb nicht, weil die vielen ein- 
zelnen Stücke, aus denen diese Säule aufgebaut ist, keineswegs sehr 
fest durch einen starren Kitt aufeinander gesetzt, sondern durch ziem- 
lieh dicke und dehnbare Zwischenscheiben verbunden sind, sodass der 
ganze Stab in Folge dessen ziemlich biegsam ist. Ferner aber ist er 
auch beständig keineswegs ganz gerade von Gestalt, und folglich auch nicht 
jedes einzelne Stück von ihm ganz genau senkrecht ansteigend, sondern 
er biegt sich abwechselnd nach hinten und nach vorn; besonders ist, 
wenn wir vom unteren Ende ausgehen, das am dicksten, zugleich aber 
ausgezeichnet biegsam ist, gleich die von da nach oben aufsteigende 
Parthie bedeutend rückwärts gebogen. Dies bemerkt man auch äusser- 
lich am Rückgrat als eine Einbiegung desselben oberhalb der Gegend, 
die gewöhnlich das Kreuz genannt wird. 
Wenn nun das unterste Ende der ganzen Säule gerade senkrecht 
auf einer horizontalen Unterlage Stände, so würde aus dieser ihrer 
Gestalt folgen, dass das obere Ende hinten über-hinge; dies ist aber 
nicht der Fall. Das untere Ende der ganzen biegsamen Wirbelsäule 
ruht zunächst auf dem oberen eines Knochens, der eine Art von un- 
biegsamer Fortsetzung derselben darstellt, des Kreuzbeines. Dasselbe 
ist in den hinteren Umfang eines festen Knochenringes eingeschaltet, 
der das untere Ende des Rumpfes umfasst und dem Aufbau der übrigen 
Knochen desselben als breite feste Unterlage dient, während er selbst 
beim Stehen in den beiden Hüftgelenken auf den oberen Enden der 
beiden Oberschenkelknochen ruht. Dies ist das Becken. Die obere 
Oeffnung dieses Ringes sieht nicht gerade nach oben, sondern zugleich 
nach vorne. Sie ist, wie man sagt, mit dem vorderen Ende ihres Um- 
fanges geneigt, das hintere Ende ist gehoben. So ist nun auch die
        

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