Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426584
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Zwei 
Stil 
VOll 
Arten 
mit seiner offenbaren Tendenz die malerische Wirkung zur Haupt- 
sache zu machen, wenn es ihm gelingt, sich als bleibend anerkannter 
Stil auf der Bühne zu behaupten. Nicht jede Dichtung aber wird 
sich zu dieser Behandlung bequemen, und am wenigsten wird sich 
wohl Shakespeare dies auf die Dauer gefallen lassen. Dem Drama 
des niemals ruhenden Gedankens gehört die Zukunft, und ihm dient 
der redende Stil der Mimik (vgl. das letzte Stück dieser Sammlung). 
Wir könnten hiermit schliessen, wenn wir dem Zuge der Zeit in 
der Kunstkritik und Kunstgeschichte gemäss damit zufrieden sein 
wollen, für jede Art des Spieles ihren Grund, ihre Art zu wirken, 
und den Platz, an den sie passt, wo sie mit ihren Mitteln am meisten 
zur Geltung kommt, gefunden haben und vielleicht einen historischen 
Entwickelungsgang annehmen können, durch welchen sich im Laufe 
der Zeit und im Wechsel des Sinnes der Menschen das Eine an die 
Stelle des Anderen setzt. Wir könnten darauf verzichten, dem einen 
oder anderen Stil eine absolut grössere Bedeutung oder Berechtigung 
zusprechenzu wollen. Lessing würde es nicht gcthan haben. Er 
begnügte sich nicht damit, an den Werken der Kunst das zu erkennen 
und zu würdigen, was sie nur Schönes und Wirksames leisten, sondern 
er stellte an jede Kunstform ihrem Wesen nach eine Forderung dessen," 
was sie leisten solle. Er spricht dies gerade gegenüber dem Schau- 
spiel gegen das Ende der Dramaturgie sehr entschieden aus. Es soll 
nicht nur etwas leisten und wirken, sondern gerade das, was auf keine 
andere Art, mit keinen anderen Mitteln zu leisten und zu wirken 
wäre. Dieses auf die Frage nach der zweierlei Art von Stil ange- 
wendet, die wir in der Mimik unterschieden haben und zuvor 
auch in der Malerei, wird dahin führen, dass wir für letztere 
immer den Stil der Antike als den vollkommensten gelten lassen 
werden, der das, was mit ihren Mitteln erreicht werden kann, auch 
am vollkommensten erreicht und auf Weiteres verzichtet, den der 
Modernen nur als eine überreife Frucht, die schon zu Problemen 
greift, die sich auf anderen Wegen gründlicher lösen lassen. Wenn 
aber die Mimik auch nur malerische Effecte erreicht und die drama- 
tische Poesie umschreibend daneben herläuft, so sind beide noch nicht 
auf ihrer klassischen Höhe angelangt. Wenn dagegen jede Geberde 
und jedes Wort des Schauspielers uns einen Schritt im Wege der
        

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