Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426578
in der 
der Mimik. 
Kunst 
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Raum in jedem Augenblick mit schönen Bildern. Sie muss aber auch 
dafür auf die Betheiligung an einem continuirlichen Fortschreiten in 
der Zeit, wie es der Poesie zukommt, verzichten. Wir könnten sie 
deshalb die plastische oder malerische Mimik nennen. Die andere 
dagegen, die zwar auch ihre stillstehenden Vorbilder in der modernen 
Malerei hat, schliesst sich doch, indem sie den Stil derselben in der 
lebendigen Action noch eigenartiger fortbildet, mehr und mehr dem 
bewegteren Gange der Poesie an. Sie verzichtet auf die Einheit der 
Eindrücke für das Auge, in denen alle Theile des Körpers malerisch 
zusammenwirken; aber sie nimmt auch in Folge dessen an der Frei- 
heit der Bewegung und Entwickelung von Moment zu Moment Theil, 
welche der fortschreitenden Rede des Dichters eigen ist. Wir könnten 
sie die dichterische oder rednerische Mimik nennen. 
Wenn 
sich 
111111 
die 
eine 
und 
die 
andere 
Art 
dieses 
sichtbaren 
Theiles der Darstellung im Schauspiel imit der zweiten Hälfte des- 
selben, dem Worte des Dichters, zu einer einheitlichen Wirkung ver- 
binden, wenn sie, Wie Shakespeare verlangt, Eins dem Andern an- 
gepasst sein sollen, so muss die Rede der malerischen Mimik mehr 
Concessionen machen, sich immer stufenweise um einzelne plastische 
Bilder und Ruhepunkte der Handlung herumbewegen und bei den- 
selben betrachtend verweilen. Die Mimik des rednerisehen Ausdrucks 
hat sich mehr dem Flusse der Redeangeschlossen. Hier wird das 
zur Wahrheit, was ich kürzlich in einem Artikel dieser Blätter über 
die Meiningerf) von R. Genee als Grundsatz ausgesprochen fand, dass 
das dichterische Wort der gebieterische Factor bleiben müsse, dem 
sich alles Andere unterzuordnen habe. Wenn aber, so oder so, die 
Mimik und das Wort zusammenstimmen, so können wir vielleicht auf 
Grund davon überhaupt zwei Stilarten der Schauspielkunst unter- 
scheiden, von denen sich, da sie zwischen Malerei und Poesie in der 
Mitte steht, die eine mehr dem Princip der plastischen, die andere 
mehr dem der poetischen Darstellung anschliesst. Zu der ersteren 
werden wir wohl das antike Drama rechnen können, in der Gegen- 
wart jedenfalls die Oper, erst recht auch die „der Zukunft", mit ihrer 
Ton- und Farbenmalerei von Himmel und Hölle, und vielleicht auch 
das Theater der Zukunft nach dem Muster des Herzogs von Meiningen 
L 
 Deutsche Rundschau. 
III, 
Band 
458.
        

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