Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426569
184 
VOII 
Zwei Arten 
Stil 
oder hässlich, edel oder niedrig denkend, und kann nicht in jedem 
Augenblicke ganz mit sich im Einklang liebenswürdig oder boshaft 
handeln und erscheinen, sondern der Moment, in dem er das Eine oder 
Andere thut, giebt ihm immer einen neuen Zug, der, wenn er sich 
oft genug wiederholt, ein Charakterzug wird. Dies anschaulich zu 
machen, ist die Art, der Stil der Mimik geeignet, welcher in jedem 
Momente eine einzelne Wendung der Gestalt hervorruft, in ihrem 
übrigen Bau und Ansehen aber einen Fonds von bleibender Eigen- 
art festhält, an dem nur nach und nach ab- und zugethan wird. 
Es giebt sehliesslieh Momente im Drama, in welchen jede Art 
von Bewegung zum Stillstand kommt und damit auch der Gegensatz 
verschiedener Darstellungsarten schwindet, der sich auf die Art der 
Bewegung gründet. In den entscheidendsten kritischen Höhe- und 
Wendepunkten einer tragischen Erschütterung, oder auch einer glück- 
lichen Lösung von Conflicten erstirbt der Athem der Rede in einem 
angehaltenen, stummen Seufzer, mit dem das Wogen der Gefühle für 
immer abgeschlossen zu sein scheint. Verzweiflung oder Beseligung 
haben in solchen Momenten für das Gefühl unendliche Dauer. Der 
Mensch wird innerlich unbeweglich. 
äusserlich werden? Er rührt kein 
Wie sollte 
Glied. Er 
er es 
wird 
nun nicht auch 
zur Statue. In 
solchen 
Momenten 
nimmt 
also 
auch 
die 
Mimik 
den 
Charakter 
der 
Plastik an, sie mag sonst sein, wie sie Will. Aber die Wege sind 
ebenso sehr verschieden, auf denen sie zu so einzigen abschliessenden 
Momenten gelangt. Die Mimik, welche in jedem Momente, in jeder 
Geberde den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, macht gleichsam 
auch jeden Augenblick ein Faeit und fertiges Bild aus Allem, was in 
ihm steckt, auf ihn wirkt und aus ihm herauskommt, und könnte 
jeden Augenblick dabei stillstehen. Die, welche nur Zug um Zug 
arbeitet, muss erst alle Kräfte ins Spiel gebracht haben, bevor aus 
demselben ein solcher plastischer Abschluss des Thuns und Empfindens 
hervorgehen kann. 
Fassen wir zusammen, so ergiebt sich als Resultat unserer bis- 
herigen Betrachtung, dass die Mimik im Geschmack und Stil der 
Antike mehr auf dem Boden der Wirkungen stehen bleibt, von 
denen wir die analogen Vorbilder hergenommen haben, auf dem der 
Malerei, und also auch den Gesetzen folgt, die nach den Bestimmungen 
von Lessing's Laokoon für diese massgebend sind. Sie erfüllt den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.