Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426549
182 
Zwei 
Stil 
Arten von 
welcher die Bewegung der Glieder mehr vereinzelt abgesetzt braucht, 
ganz in den successiven Gang der Rede und der von ihr getragenen 
Handlung. Die einfachen, deutlichen Acte bestimmter, zielbewusster 
Geberden, der Biegungen und Streckungen eines Armes, welche eine 
Hand direct zu einem näheren oder ferneren Ziele führen, der Wen- 
dung des Kopfes, die den Blick einem "Gegenstande zuwendet, der 
Schritte, die den ganzen Körper mit einem Male von der Stelle 
rücken, sind auch augenblicklich zu verstehen. Sieht man sie auch, 
wenn sie recht schnell erfolgen, gar nicht eigentlich geschehen, so 
sieht man doch sogleich das fertige Resultat. Denn mit ihm ergiebt 
sich bei diesem abgesetzten Tempo nun ganz von selbst ein Ruhe- 
punkt für die Anschauung. Und mit diesem erreichten Ziel oder 
Abschlusse der Bewegung ist dann auch etwas Bestimmtes ausgedrückt 
oder gesagt, wie mit einem Wort. Sie vertritt die Stelle eines solchen. 
Sie giebt dem Auge nicht mehr, als was der Phantasie auch durch 
das Nennen eines "einfachen Zuges" der sichtbaren Erscheinung in 
der Poesie nach Lessing gegeben werden kann. Und dies kann denn 
auch ebenso als ein Moment der beständig fortschreitenden Handlung 
aufgefasst werden, ohne dass dieselbe darum angehalten zu werden 
braucht. Die übrige äussere Erscheinung des Menschen wird in dem 
Augenblick nicht mehr und nicht weniger bemerkt, wie alle anderen 
Dinge, die vor unserem Auge stehen, aber zu dem, was unsern Sinn 
erfüllt, nicht mitwirken. Sie sind für uns in diesem Momente nicht 
da, sie sprechen eben nicht mit. Wir können uns ebensowohl denken, 
(lass der handelnde Mensch selbst von allen andern Organen und 
Kräften seines Körpers eben gar nicht weiss, dass er sie hat, weil er 
nur in dem Gebrauche der einzelnen eben sich bethätigt, ebensogut, 
wie alle Gedanken, die wir haben, in dem Augenblicke so gut wie 
nicht existiren, wenn wir einen einzelnen uns oder Anderen klar 
machen und aussprechen. Die einfache Beziehung der isolirten Ge- 
berde auf den momentanen Ausdruck, woneben sich zugleich keine 
anderen Impulse geltend machen, zeigt, dass der Mensch von der An- 
forderung der Situation, in der er sich eben befindet, ausschliesslich 
eingenommen ist, an nichts denken, nichts thun kann, Was nicht 
wesentlich dazu gehört. 
Der ganze übrige Mensch bleibt uns aber doch auch vor Augen, 
Alle Theile seines Körpers, welche momentan in Ruhe sind, verharren
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.