Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426537
Kunst der Mimik. 
in der 
181 
Es giebt eine Kunstform, die im Ganzen so gebaut, in welcher 
die Stellung von Tableaux mit dem Verlaufe der Handlung so in Ein- 
klang gebracht ist, dass der Zuschauer und Zuhörer sie beide zugleich 
geniessen kann, ohne etwas zu verlieren. Das ist die Oper. Die 
Handlung selbst und ihre Abwickelung in Worten ist in gewissen 
Ruhepunkten durch die Musik zu einer Ausbreitung in der Zeit ge- 
bracht, welche gleichzeitig eine sehr ruhige Anschauung zulässt, und 
diese schliesst sich an den Genuss des Tonfalles stilhaft an, wenn sie 
ähnlich wie im Tanze einen harmonischen Einklang der Bewegung aller 
Glieder darstellt. Hier wird also diese Art der Mimik stets als natur- 
gemäss herrschende am Platze bleiben und nur im Dialog oder Reci- 
tativ eine andere möglich sein. Dem auf- und abwogenden Rhythmus 
der Töne kann eine entsprechende Wiederholung gewisser malerischer 
Stellungsmotive parallel laufen. Und einigermassen ähnlich können 
wir uns vielleicht auch das Verhältniss der Mimik zur Rede im an- 
tiken Drama vorstellen, wenn wir sehen, wie hier die letztere in 
kurze Dialoge, lange Reden und Chorgesänge gegliedert ist. Man 
kann sich denken, dass bei den zugespitzten Wechselreden, mit denen 
die Fabel sich lebhaft fortentwickelt, die Rede allein das Interesse 
fesselte, bei den längeren Expectorationen aber, die dazwischen aus- 
holend einsetzen, auch das Bild der Spieler sich mit Breite malerisch 
entwickeln konnte; und die Gesänge des Chores vollends waren ja 
ein contemplatives Verweilen in der Betrachtung bei völlig stillstehen- 
der Handlung, neben dem auch das Auftreten desselben sich ganz als 
lebendes Bild gestalten konnte. Selbst Dawison spielte in diesem 
Stil den Oedipus in Kolonos f). Damit stimmt aber die ganze ein- 
fache Anlage der Composition mit den drei Einheiten des Aristoteles, 
des Ortes, der Zeit und der Handlung. Alles dies scheint fast wie 
auf den möglichst nahen Anschluss an die Plastik, die im Alterthum 
dominirende Kunst, mit der Einheit des Ortes und des Moments be- 
rechnet, so dass auch das Drama mehr nur zu einer Erweiterung 
der Handlung in einer Reihe von Bildern wird, sich nur schritt- 
weise seiner grösseren Freiheit mit der fortlaufenden Darstellung 
der Handlung bemächtigt. 
Umgekehrt dagegen fügt sich nun offenbar der Stil der Mimik, 
T 
diese Vorstellung, 
Vortrag über 
meinen 
1865. 
F. Winter 
Leipzig,
        

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