Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426501
'178 
Arten 
Zwei 
Stil 
V01) 
solche einzelne, aber entschiedene Bewegungen auch einsetzen und 
die Reden des Dramas nicht fortlaufend begleiten, sondern meist viel- 
mehr eintheilend unterbrechen, so dass sie sich, um es nun hier gleich 
einmal so zu nennen, so ausdrücklich für sich, wie die Worte der 
Sprache als einzelne, abgesetzte Momente der fortschreitenden Hand- 
lung darstellen. Und dies gilt ganz besonders von den aTussersten 
Entladungen dessen, was den ganzen Menschen aufregt, wobei dann 
doch schliesslich auch der ganze Körper, aber nur als Einheit und 
mit einem Schlage, in Bewegung kommt, wie das Zusammenbrechen 
mit einem Schrei bei den heftigsten tragischen Erschütterungen. 
Es kann nicht fehlen, dass dieser Stil so gut wie der andere 
auch seine Manieriston hat, welche die grossen Meister desselben in 
unverstandener Weise nachahmen. Wenn sie weniger zahlreich sind, 
so sind sie dafür desto schlimmer, wie  auch in der Malerei der 
schlimmste Manierismus aus dem Copiren der Motive von Michel- 
angelo entstanden ist. Wir lassen uns immer eine Affectation ins 
Gefällige noch eher gefallen, als ins Gewaltige, WO man doch 
sieht, dass der Athem dazu nicht ausreicht. Aber das Spiel mit 
einfach klar abgesetzten Bewegungen kann ohne alle Affectation voll- 
kommen frei und natürlich auch bei den kleinsten und ein- 
fachsten Anlässen zur Anwendung kommen und sich von dem des 
graziösen Zusammenspiels der Glieder deutlich unterscheiden. Ich 
will, um dies zu zeigen, die Reihe der angeführten Beispiele von 
beiden mit der Beschreibung eines einfachen kleinen Auftrittes 
schliessen, in welchem beide Stilarten aufeinanderstiessen. Zwei Damen 
gingen aufeinander zu, um sich als versöhnte Rivalinnen die Hand zu 
reichen. Die eine kam mit sanft vornüber gebeugtem Oberkörper 
herangeschwebt und liess zugleich mit einer gelinden wellenförmigen 
Bewegung des Armes die Hand unter der Schulter hervorgleiten, um 
sie so der anderen entgegen zu bringen. Diese aber, es war Frau 
Lewinsky-Precheisen, trat mit ein paar einfach steifen Schritten auf 
sie zu, und erst als sie nahe genug heran war, da streckte sie den 
Arm ganz gerade aus und fasste die dargebotene Hand. Bis dahin 
hatte also jede von Beiden auf ihre Art handeln können. Nun aber, 
als die Hände sich gefasst hatten, waren sie an einander geb1111den_ 
Die erste der beiden Damen hätte offenbar das sanfte Spiel der Be- 
wegung mit dem Arme noch in einem gelinden Hin- und Herschaukeln
        

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