Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426472
der Kunst 
Mimik. 
der 
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reiter im Finale einer Parforcetour auf ungesatteltem Pferde. In 
ruhigeren Scenen aber entsteht aus dem langsamen Begleiten aller 
Reden mit Gesten jenes monotone Hin und Her der Hände, vor dem 
Shakespeare durch Hamlet die Schauspieler warnt, indem er sagt: 
"sägt auch nicht so in der Luft herum", oder das langsame Heben 
der einen Hand und Senken der anderen wie die Flügel einer Wind- 
mühle, deren Bewegung im Einschlafen ist, das ich auch selbst von 
Rossi gesehen habe, und das wir so unendlich oft an der grossen 
Masse der Schauspieler sehen und auch an der der Redner auf Kanzel, 
Tribüne und Katheder. 
Diesem Stil der Mimik können wir nun einen zweiten entgegen- 
stellen, in dem die Glieder des Körpers wie in der modernen Malerei 
mehr vereinzelt auftreten, in dem sich also gar nicht jeden Augen- 
blick das ganze Bild des Menschen, der vor uns steht, verändert, 
sondern zur Zeit nur irgend ein einzelner Theil seines Körpers etwas 
thut oder ausdrückt, dieses Einzelne aber um so entschiedener und be- 
stimmter. An diesem ist zur Zeit allein zu sehen, dass der Körper von 
einem Geiste beseelt wird, der seine Stimmungen und Absichten an 
ihm auslassen kann. Die übrige lllaschine desselben ist in Ruhe, 
d. h. unbeweglich, sei es in Folge eines nachlässigen Sichgehenlassens, 
oder im Gegentheil einer Spannung durch eine zuvor schon erfolgte 
Anstrengung oder Erregung, welche sie in strammer Positur hält. 
Und wenn sich ein einzelner Theil nun doch regt, geschieht es nicht 
in gleichmässigem Flusse, sondern plötzlich. 
Ein solcher Schauspieler muss, wenn ich mich recht erinnere, 
Dawison gewesen sein. Charakteristisch in dieser Beziehung war z. B. 
seine Behandlung einer Scene aus "Narciss" von Brachvogel, in 
welcher dieser Sonderling eine junge Dame zur Vertrauten seines Un- 
glücks macht, wie das Weib seiner Jugend ihn plötzlich verlassen, die 
er endlich als die Pompadour Wiederfinden soll. Da kauerte sich 
Dawison unbeweglich auf einen Stuhl vor die theilnehmende Seele 
hin, der er sein geheimstes Weh ausschütten sollte, sah, während er 
dies that, regungslos vor sich nieder und zerknitterte nur mit fieber- 
hafter Unruhe während des Spreehens die Fahne einer Gränsefeder. 
Diese Arbeit der Hände drückte dann freilich überhaupt keine be- 
stimmte Absicht aus; aber sie war die einzige Ableitung für die in 
sich arbeitende Unruhe auch im Körper, während er ihn sonst mit
        

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