Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424785
aufrechte Haltung des 
Die 
Menschen 
Annahme musste natürlich bei ihrem ersten Auftreten in den weitesten 
Kreisen wunderlich frappiren. Der Mehrzahl der Forscher auf allen 
verwandten Gebieten erschien sie sogleich nicht nur trotz ihrer Neu- 
heit von selbst einleuchtend wie ein Ei des Columbus, sondern sie 
brachte in die verschiedensten Probleme und Erscheinungen plötzlich 
Klarheit und Zusammenhang. War es doch der erste Versuch, nicht 
nur die Reihe der Erscheinungen des Lebens im fertigen jetzigen Zu- 
stande der Natur, die uns täglich umgeben, sondern auch den 
Hergang bei ihrer einstmaligen Entstehung natürlich zu begreifen. 
Gründete er sich doch auf eine Menge längst bekannter aber bisher 
scheinbar ganz wunderbarer Beobachtungen, wie namentlich eben die 
der grossen Aehnlichkeit verschiedener thierischer und auch des mensch- 
liehen Körpers in früheren Stadien der Entwickelung, durch welche 
jedes einzelne entsteht. Und wenn nun auf Grund dieser Ueberein- 
stimmung ein ähnlicher Verlauf der Entstehung aller lebenden Wesen 
wie jedes einzelnen als möglich, ja wahrscheinlich erscheint, so muss 
dies natürlich jeder Art von Forschung über dieselben einen mächtig 
anregenden Impuls geben, Weil alle die vielen wechselnden Gestalten 
und Kräfte, in und mit denen wir sie augenblicklich auftreten sehen, 
uns nun nicht mehr als etwas Starres, ein für alle Mal genau Be- 
stimmbares erscheinen, sondern als etwas ewig Werdendes, als Wellen 
eines nie ruhenden grossen Stromes der Entwickelung. Diese Auf- 
fassung eröffnet uns die Perspective einer einheitlichen Naturauffassung, 
wenn wir Jeder in seinem beschrankten Gebiete, so auch der Anatom 
am menschlichen Körper dem Wechsel der Formen in Bewegung und 
Entwickelung nachgehen. 
Nur das ist eine kurzsichtige Uebertreibung der von dem glänzen- 
den Erfolg der neuen Lehre berauschten Enthusiasten, wenn sie die- 
selbe für eine Theorie erklären, aus der etwa, wie aus der Gravi- 
tationstheorie die ganze Reihe der Erscheinungen, auf die sie sich be- 
zieht, a priori construirt oder in ihrer nothwendigen Bedingtheit erklärt 
werden könnte, so dass z. B. der ganze Zusammenhang von Ursache 
und Wirkung bei der Entwickelung jedes einzelnen Organismus von 
selbst damit aufgeklärt wäre, dass man dieselbe als natürliche Fort- 
setzung oder Wiederholung einer ähnlichen vorhergegangenen auffasst, 
welcher die ganze Art von Wesen, zu der er gehört, ihre Entstehung 
verdankt. Denn das hiesse offenbar das Unbekannte aus dem noch
        

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