Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424778
Stehen und Gehen. 
und Lage bringen können, ist die letztere im Leben keineswegs un- 
veränderlich. Es gehen auch langsam bleibende Umgestaltungen an 
ihnen vor sich, die wir als Entwickelung bezeichnen. Wir sehen 
solche schon und müssen sie in der Anatomie berücksichtigen, wenn 
wir den Körper der Kinder mit dem der Erwachsenen zusammen- 
halten und wenn unsere Beschreibung nicht nur auf letzteren passen 
soll. Denn der Körper der Kinder ist nicht nur kleiner, sondern 
vielfach noch anders gestaltet und zusammengesetzt als der des er- 
wachsenen Menschen. Wie ihnen die Zähne erst wachsen, weiss 
Jeder; auch wohl, dass sie niemals schon so gebogene Nasen haben, 
wie viele von uns Alten. Aber sonderbar: gerade diese jedem Laien 
schon in die Augen fallenden Verschiedenheiten zwischen dem Bau 
des kindlichen Körpers und dem beim erwachsenen Menschen sind 
wissenschaftlich noch sehr wenig genau untersucht. Es hat für die 
sogenannte Entwickelungsgeschichte, das Studium aller derartigen all- 
mählichen Formveriinderungen einen grösseren Reiz gehabt noch weiter 
zurückzugeben und zu untersuchen, wie in einem noch weit früheren 
Stadium, wie vor der Geburt der im Werden begriffene Keim des 
lebenden Körpers noch viel weniger die Gestalt hat, die er im fertigen 
Zustande zeigt, und wie dieselbe also erst allmälig aus einfacheren 
Anlagen und Umrissen herauswächst. Wenn wir auch dies noch in 
den Kreis der Anatomie des Menschen mit hereinziehen, so berührt 
sie sich hier freilich auch wieder 1nit der Zoologie, weil sich zeigt, 
dass in diesen früheren Entwickelungsstufen, der unfertige n1enscl1- 
liche Körper sich viel weniger als später, und in den ersten Anfangen 
garnicht mehr deutlich vom thierischen auf gleicher Stufe der Ent- 
wickelung unterscheidet. 
Wir können, indem wir diesen Punkt berühren, nicht umhin, 
hier auch noch einen Augenblick auf die Ideen einzugehen, welche 
heutzutage alle Forscher auf dem Gebiete der Wissenschaften vom 
Leben auf der Erde und mit ihnen die weitesten Kreise interessiren, 
die besonders durch Darwin zur Geltung gebrachten Ansichten von 
einer Entwickelung aller lebenden Wesen, durch welche nicht nur 
jedes einzelne Individuum aus einem ersten unscheinbaren Keime 
entsteht und herauswächst, sondern auch die verschiedensten Arten 
derselben, den Menschen nicht ausgenommen, auf ähnliche Art ganz 
allmälig aus solchen viel einfacheren entstanden sein sollen. Diese
        

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