Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426294
der 
sixtinischen Kapelle 
Rom. 
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in der Ausführung sind sie freilich viel nachlässiger behandelt. Es 
wäre auch Schade gewesen, mehr Mühe daran zu wenden, da man sie 
dicht über dem blendenden Lichte der Fenster ganz besonders schlecht 
sieht. Im Vergleiche mit den plastisch gewaltigen Gestalten oberhalb 
am Gewölbe erscheinen sie wie ein Nebenproduct in demselben Stil, 
wie eine Verwerthung von Skizzen aus dem Leben neben dem durch- 
dachten und ausstudierten Werke; aber sie zeigen doch nicht minder 
die eigenartige Kraft und geniale Conception des Meisters. 
Ein eingehendes Studium dieser Genrebilder aus dem Familien- 
leben in allen seinen Abstufungen wäre sehr lohnend; statt dessen 
mag uns eine kurze Aufzählung von Einigem, was in ihnen dargestellt 
ist, einen Begriff geben. Da haben wir zuerst an einem Ende beider 
Langseiten der Kapelle, einander gegenüber, zwei junge, noch kinder- 
lose Paare. Die Frauen sind mit ihrem Putz beschäftigt; die eine 
kämmt sich, die andere besieht sich im Spiegel (Seite 158). Der eine 
Mann legt ganz eigentlich die Hände in den Schooss, der iUIdGFB 
streckt sich lang auf einem Rekelstuhl aus und thut so, als 0b er in 
einem Buche, das vor ihm auf einem Pulte aufgeschlagen ist, lese 
(Seite 158). Alle übrigen Paare von Männern und Frauen haben als 
Eltern oder Grosseltern mehr oder weniger Kinder um sich her. 
Einer jungen Frau sieht man auch an, dass sie bald noch eins 
kriegen soll. Sie haben auch sonst allerlei zu thun, oder ruhen er- 
müdet davon aus. Eine alte Frau wickelt Garn. Ein junger Mann 
schreibt auf ein Blatt Papier, das er vor sich auf das Knie gelegt 
hat (Seite 159); aber es wird ihm ziemlich sauer. Ein grosser Schrift- 
steller ist er nicht. Ein Alter will sich mühsam, einen grossen Stock 
in der Hand, von seinem Sitze erheben. Er scheint noch ausgehen 
zu wollen. Ein anderer lässt müde den Kopf hängen, die Hände 
auf dem Schoosse gekreuzt (links unten vom Propheten Jesaias, 
Seite 133). Wieder ein anderer ist mit dem Kopfe vorwärts bis auf 
das Knie hinabgesunken und so fest eingeschlafen (links unten von 
der persischen Sibylle, Seite 132). Die Meisten aber und besonders 
die Frauen sind mit der Pflege und Erziehung der Kinder beschäftigt. 
Eine hat ihr Wickelkind auf dem Schoosse eingeschläfert und ist selbst 
darüber eingenickt (rechts unten von der persischen Sibylle, Seite 132). 
Eine andere schaukelt es noch; aber das grössere, das ihr zu Füssen 
in einem Korbe liegt, ist schon eingeschlafen. Eine dritte hat, im
        

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