Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424769
Haltung des Menschen 
aufrechte 
Die 
selbst nur mit einem Fortschreiten durch den Raum die Ausdehnung 
der Dinge im Raume ermessen. Auch unser natürliches ästhetisches 
Wohlgefallen an Formen beruht im Grunde immer auf einem Herein- 
ziehen der Idee der Bewegung in die Erfassung der Gestalten. Wir 
nennen die schlanke Gestalt einer Säule, die Biegung eines gothischen 
Bogens ihrem Eindrucke nach emporstrebend. „Alle Schönheit," 
sagt Schiller, "ist zuletzt blos eine Eigenschaft der wahren oder an- 
scheinenden Bewegung." Ihr Reiz wird erhöht und belebt, wo wahre 
und anscheinende sich mit einander verbinden. In dem Anblicke 
eines wogenden Busens wirkt der Eindruck der Wirklichen Bewegung 
des Athmens mit dem einer Gestalt der bewegten Oberfläche zu- 
sammen, die an sich schon durch ihre Hebungen und Senkungen, wie 
wir deshalb es bildlich nennen, an eine solche auf- und abwogende 
Bewegung erinnert, so dass beides für das Auge in einander über- 
geht, und die Form aus der Bewegung, wie die Göttin der Schönheit 
aus der Brandung des Meeres, beständig neu geboren zu werden 
scheint. 
Aehnlich nun wie in dieser Art von Spiel 
bindet sich mit dem wissenschaftlichen Interesse 
der Phantasie, ver- 
für die Formen der 
Organe des Körpers das Verständniss ihrer Function, insofern die- 
selbe einfach in der mechanischen Bedingtheit sichtbarer Bewegungen 
besteht. Die natürlichen Bewegungen der Theile unseres Körpers 
gegen einander verändern jeden Augenblick die Gestalt und Lage 
derselben und eine vollständige Beschreibung der letzteren muss also 
notwendig auch den Verlauf der ersteren mit in Betracht ziehen, wenn 
sie nicht nur auf irgend eine willkürlich gewählte Stellung des Körpers 
dassen soll. Andrerseits ist die Art und Weise, wie die Theile des- 
selben sich gegen einander bewegen können, durch die Form gewisser 
Stücke, wie namentlich der Enden von Knochen, womit dieselben in 
den Gelenken aneinander gefügt sind, bedingt. Bei dem Studiumr- 
solcher Theile fällt also von selbst die gesonderte Betrachtung der 
Form und Function, die Trennung der Anatomie und Physiologie 
weg, die wir ausserdem meist als ein nothwendiges Uebel gelten 
lassen müssen, weil wir den inneren Zusammenhang beider nicht 
kennen. 
Ferner aber auch, 
Theile unseres Körpers 
abgesehen von den Bewegungen, welche die 
jeden Augenblick in eine veränderte Gestalt
        

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