Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426119
der 
sixtinischen Kapelle zu Rom. 
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hoch da oben über der Wand der Kapelle, wie an einer noch auf- 
rechten Fortsetzung derselben, nur auf schmalen vorspringenden 
Rändern sitzen und sich vorsehen müssen, dass sie nicht herabfallen. 
Dieser Eindruck Wird dadurch noch verstätrkt, dass die Fläche der 
Gewölbezwickel, auf die sie gemalt sind, factisch schon vorüberhangt 
und die Quergurten der Wölbung, die noch hinter ihnen Weiter an- 
steigen, nun entschieden von der einen zur andern Wand der Kapelle 
hinübergespannt erscheinen. Daraus folgt mit höchst anschaulicher 
NothWentlig-keit, dass sich die Sklaven von ihren Sitzen weder erheben 
noch sich irgend zuviel über dieselben vorstrecken dürfen, wenn sie 
sich oben halten wollen, und so machen sie denn mit all ihren 
Gliedern die mühsamsten Anstrengungen, sich bei ihrer Arbeit mög- 
lichst ruhig und dicht auf ihren Sitzen und an die Wand heran zu 
halten. Dazu kommt nun 2) die nichts weniger als einfache Arbeit 
der Decoration, Welche sie da oben anzubringen haben. Es ist 
interessant an einzelnen Beispielen näher zu betrachten, was Alles 
dazu gehört. 
Da haben wir zuerst mitten über jedem Sitzplätze der Sibyllen 
und Propheten die grosse runde medaillonartige Bronceplatte ange- 
bracht, an welche sich die weitere noch unfertige festliche Decoration 
ansehliessen soll. Dieselbe besteht erstens in langen schmalen Dra- 
perien von Stoff, und diese werden zuerst in einem Ringe ange- 
schlungen, der an dem Postamente, worauf die Sklaven sitzen, in die 
Wand eingelassen ist; dann werden sie durch ein Loch unten am 
Seitenrande der Bronceplatte hinein und durch ein oberes wieder 
hinaus gesteckt; von da aber wieder weiter auf- und seitwärts ange- 
zogen, wie um da irgendwo mit ihrem Ende wieder angeschlungen zu 
werden (bei der erythräischen Sibylle Seite 140). Noch etwas 
schwieriger und complicirter wird diese Verschlingung, wenn, wie 
einmal, der eingelassene Ring nicht da ist und auch das untere Ende 
der Schlinge an dem Postamente, auf dem die Decorateure selbst 
sitzen, angebunden und also hinter demselben durchgezogen werden 
muss (beim Propheten Ezechiel Seite 141). Man könnte nun meinen, 
mittelst dieser Draperien sollten die Broncemedaillons aufgehängt 
werden. Bei näherer Besichtigung scheint es aber, dass die Platten 
alle als bereits wohl befestigt angenommen werden und die Draperien 
umgekehrt nur an ihnen angehängt werden sollen. Denn man sieht,
        

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