Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424758
Stehen und 
Gehen. 
nun freilich nur inder Lage, über die Aneignung körperlicher Vor- 
züge durch diese nationale Anstrengung ein Wort mitzureden. Bevor 
ich aber dazu übergehe, dies in einer Zergliederung der aufrechten 
Haltung und des aufrechten Ganges des Menschen zu zeigen, dürfte 
hier die Gelegenheit sein, in Eile noch einige der bei solchen Gelegen- 
heiten üblichen allgemeinen Betrachtungen über den heutigen Stand- 
punkt meiner Wissenschaft einfiiessen zu lassen. 
Die Aufgabe des Anatomen von altem Schlage bestand einfach 
darin, die fertige Form und gegenseitige Lage aller Theile unseres 
Körpers möglichst genau zu beschreiben. Dies Thema ist im Laufe 
der Jahrhunderte ziemlich erschöpft, so dass denen, welche sich bis 
in die neueste Zeit mit ihrem Forschungseifer hierauf beschränken, 
nichts übrig geblieben ist als die allcrgrösste Kleinigkeitslarämerei. 
Natürlich meine ich damit nicht das Studium kleiner und kleinster 
Formen von Theilen des lebenden Körpers, welches 'durch die 
Fortschritte der Mikroskopie ermöglicht worden ist. Denn durch 
dieses ist uns eine ganz neue Welt der Gestaltungen, in, denen 
das Leben sich verkörpert, erschlossen worden; aber dieses Gebiet 
der Forschung ist bei der grossen Uebereinstimmung, die gerade in 
diesen feinsten "Structurverhältnissen der menschliche Körper mit 
allen Arten lebender Organismen zeigt, ein gemeinsames für alle 
Studien, die es mit solchen zu thun haben. Daneben braucht jedoch 
auch die besondere Anatomie des Menschen keineswegs still zu stehen, 
sondern "es eröffnen sich auch ihr neue fruchtbare Aufgaben, sobald 
zwei Gesichtspunkte bei der Zergliederung unseres Organismus mit 
in Anwendung gebracht werden, der der Bewegung und der Ent- 
wickelung. 
Schon bei der hlossen Erkenntniss oder Darstellung einer starren 
Form entsteht unwillkürlich immer die Vorstellung einer Bewegung 
der Theile. Dies zeigt sich schon in den Worten, Wodurch wir ge- 
wöhnlich eine Form anschaulich zu machen versuchen. Es ist uns 
ganz geläufig,  wir können es gar nicht vermeiden, wenn wir den 
Umriss oder Umfang einer Gestalt schildern wollen, beständig von 
einem Vor- und Zurücktreten, einem Ansteigen und Abfallen der- 
selben u. s. W. zu reden, und noch natürlicher wird uns dies, _wo wir 
es mit Formen von weichen runden Bildungen wie die Theile des 
lebenden Körpers zu thun" haben. Unsere Phantasie kann glßiChSam 
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