Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426078
der 
K apelle 
sixtixlischen 
Rom. 
135 
schon in natürlichen Farben ausgeführt, also wie lebendig gegen- 
wärtig gedacht, aufrecht stehend, das unten spitze Ende des Zwiekels 
unterhalb der Fussplatten der Sitzplätze einnehmen. 4) grosse nackte 
Jünglinge, in Naturfarben höchst lebensvoll zur Darstellung gebracht, 
welche auf Postamenten über dem Gesimse oberhalb der Zwickel 
sitzen und hier mit Anbringung von Decorationen beschäftigt sind. 
Sie werden wegen dieser ihrer dienstbaren Thätigkeit als Sklaven 
bezeichnet. 5) endlich die Hauptpersonen in jedem Zwickel, ab- 
wechselnd Sibyllen und Propheten, Männer und Frauen, alte 
und junge, die auf den Sitzplätzen rings über den Wänden des 
heiligen Raumes riesig und majestätisch thronen, vornehm, reich ge- 
kleidet und ganz in geistige Arbeit vertieft; dazu als untergeordnete 
Nebenfiguren, mit ihnen auf den Sitzen untergebracht noch Kinder, 
die ihnen wie Diener oder Assistenten beigegeben sind. 
1) also in den Ecken der Zwickel neben den Pilastern, mit 
welchen je zwei derselben über den Fensternischen zusammenstossen, 
sind nackte Kerle in Holz- oder Broncefarbe angebracht und zwar 
paarweise symmetrisch, wie architektonische Ornamente, je über einer 
Fensternischenöffnung, wo sie zusammenstossen, und sind hier in den 
verschränktesten Lagen zusammengehockt (Seite 133. 133). Es ist, als 
hätte der Künstler in übermüthigster Laune zeigen wollen, auf wie 
mancherlei Art sich das Bild eines Menschen in einem Raume unter- 
bringen lässt, welcher seiner Gestalt in allen gewöhnlichen Haltungen 
so unangemessen ist, wie so ein überhängendes Dreieck. In dieser 
Lage nun müssen sich die Kerle halten, so gut sie können, durch 
Anstemmen des Rückens, der Arme und Beine an die das Dreieck 
umrahmenden Ränder. Ausserdem thun sie gar nichts und strengen 
sich, auch um sich zu halten, nicht besonders an, sondern lassen sich 
so bequem wie möglich in der Ecke des Dreiecks einknicken. Es 
drückt sich keine Art von Intention oder Streben in ihnen aus. Es 
ist, als wüssten sie es eben nicht anders, als dass man auch so in 
dieser verzwickten Lage existiren oder vegetiren könne, oder als 
wären sie in derselben geboren oder gewachsen, und so ist hier der 
primitivste Mensch, wie nur in gleichem Range mit andern Gewächsen, 
auch als eine Art von Ornament verwendet, das eine Lücke in der 
Decoration des gegebenen heiligen Raumes ausfüllen kann. 
Nicht viel höher stehen 2) die karyatidenartigen Kindergestalten,
        

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