Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425999
zu Rom. 
Kapelle 
der sixtinischen 
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der Kapelle auch die rundbogigen oberen Enden der Fenster hinein- 
ragen und welche von Kappen der Wölbung überdeckt sind, die sich 
zwischen den Rändern der Zwickel ausspannen. Nur in den vier 
Ecken der Kapelle schliessen dieselben zu grösseren Gewölbekappen 
zusammen, die nach unten zwischen der Schmalseite und dem letzten 
Fenster der Langseite spitz auslaufen. Der grosse Hache Mittelstreifen 
der. Decke und diese vier grösseren Eckwölbungen sind mit com- 
ponirtcn grosscn Bildern aus der Schöpfungsgeschichte und der des 
Volkes Israel angefüllt. An den Zwickeln des Gewölbes aber und bis 
über ihren obern Rand hinauf sind Reihen von Einzelfiguren, und in 
den Fensternischen Gruppen idealer Typen von Menschen angebracht. 
S0 zerfallt das ganze Werk in zwei Haupttheile, 1) grosse historische 
Gemälde, 2) jene mehr plastisch gemalten Figuren und Gruppen, die 
uns hier beschäftigen sollen; die letzten aber wieder in Figuren an 
den Gewölbezwickeln und Gruppen in den Fensternischen. Denn die 
Figuren an den Zwickeln stehen fast ganz wie Statuen einzeln, oder 
nur paarweise da, oder wenigstens nur untergeordnete Nebenfiguren 
neben einzelnen Hauptpersonen; die Gruppen in den Nischen dagegen 
fügen sich zu geschlossenen Bildern wie Glieder einer Familie, die sie 
auch darstellen, zusammen. Miteinander stellen sie ein Bild des mensch- 
lichen Lebens, so im Einzelnen, wi_e im Vereine dar. 
Ganz besonders in den Figuren an den Zwickeln stellt sich der 
Stil und die Wirkung der plastischen Kunst des Michelangelo in seiner 
Eigenart nach Form und Inhalt dar. Zunächst äusserlich in der Art 
der Darstellung. Der glückliche Griff des genialen Künstlers besteht 
darin, dass er zu den Motiven dessen, was er darstellen soll, den an- 
gemessenen Stil, oder umgekehrt: zu der Anwendung des Stiles, 
der ihm eigen ist, die angemessenen Motive findet. Michelangelo 
spricht einmal seine Ansicht von dem, was er für das Vorzüglichste 
in der Malerei hält, was also jedenfalls ihm selbst als das Tüchtigste 
seiner Art zu malen erschien, dahin aus: "Ich sage also, dass die 
Malerei um so viel besser scheint, als sie sich zum Relief neigt, und 
das Relief um so schlechter, um so viel mehr es sich der Malerei 
nähert"  
Darstellung 
Soll dies in erster Linie einen Vorzug der körperlichen 
plastischer Arbeit gegenüber der malerischen Flächen- 
Rom 
Varchi, 
übersetzt 
1549, 
Künstlerbriefe. 
Guhl,
        

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