Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425926
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Menschen des Michelangelo 
Die 
That des Menschen, dass der Gedanke und die Fähigkeit, ihn zu ver- 
körpern, zusammenstimnlcn müssen. 
Dagegen kann man am Ende doch noch fragen, was wohl bei dem 
Künstler selbst das Erste ist, was ihn zu seinen Schöpfungen 
treibt und ihre Gestalt bestimmt, der Gedanke, der am Ende aus dem 
Werke herausleuchtet und für dessen von vorn herein beabsichtigte 
Darstellung oder Verkörperung die richtige Form gesucht und ge- 
funden wird, oder umgekehrt das äussere Bild der Erscheinung; 
das zuerst sinnlich angeschaut wird und dann als Abbild eines 
gewissen inneren Sinnes oder Gedankens erkannt wird und zur An- 
wendung kommt. Man kann sich das Erstere wohl denken als den 
Weg, auf welchem ein Künstler eine ihm von Andern gestellte 
Aufgabe zu lösen versucht, das Letztere eher als die Veranlassung, 
durch die er von selbst auf seine glücklichsten Conceptionen kommt. 
Denn das Gefühl des Könnens und der Trieb zum Gestalten ist doch 
wolil oft der erste Grund zum Hineingreifen in's volle Menschenleben 
und die Fülle der Erscheinung desselben, und dann kommt etwas heraus, 
worin der, der es gemacht hat, erst hinterher mehr inneres Leben entdeckt, 
als er zuvor dabei im Sinne gehabt hat. Das ist Wohl auch die Mei- 
nung der alten Geschichte von Pygmalion, dessen Göttin ihm in den 
Armen warmes Leben annahm, nachdem er sie aus Stein gebildet 
hatte. Und gerade bei einem Manne wie Michelangelo, der in einem 
langen Leben frühe schon die Technik der Darstellung des mensch- 
lichen Körpers mit vollkommener Meisterschaft beherrschte, aber mit 
den Jahren immer tiefere Gedanken in sich und seinen Werken ent- 
wickelte, der von sich selbst sagt, dass die Lust am Bilden ihn ab- 
göttisch beherrscht habe, dann aber zuletzt doch unbefriedigt von ihr 
sein Heil in höheren, in religiösen Ideen sucht, können wir uns auch 
bei seiner künstlerischen Thätigkeit es laaum anders denken, als dass 
seine Erßndung von der äusserlichen Formgebung zu der innerlichen 
Gedankenverkörperung fortgeschritten sei und nicht umgekehrt, und 
dies wird uns um so wahrscheinlicher bei vergleichender Betrachtung 
mancher seiner Hauptwcrke mit anderen viel unbedeutenderen, die 
doch eine grosse äusserliche Aehnlichkeit mit einander zeigen. 
Jakob Burckhardt sagt ü) zu seiner Charakterisirung einmal: 
 Cicerone, 
und 434. 
Anleitung 
eine 
zum 
Genusse 
der 
Kunstwerke Italiens , 
64-5
        

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