Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425780
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Michelangelo 
des 
Die Menschen 
Halbvergessen des Körpers die gesteigerte Geistesentwicklung der 
Welt, welche das frische, fröhliche Leben im vollen Gebrauche der 
Kraft schon hinter sich hat. 
Diese beiden im Grunde so verschiedenen, in ihrer Aeusserung 
doch so verwandten Zustände sind es nun also, welche uns Michel- 
angelo in sprechendster Lebendigkeit darstellen kann und oft dicht 
nebeneinander stellt als zwei in der Stimmung harmonirende, im Geiste 
doch tief verschiedene Typen der Menschheit. Er unterscheidet sie 
aber auch für das Auge auf das vollkommenste schon durch einen 
sehr einfachen Kostümunterschied: die einen sind Vollständig nackt, 
die anderen ganz bekleidet; halbnackte Gestalten kennt er fast gar 
nicht. Sodann aber hat auch die Haltung zwar bei beiden jenen 
gemeinsamen Zug des Bequemen, Nachlassigen, Zerstreuten, aber die 
Stellung ist doch der Regel nach eine typisch verschiedene. Die 
meisten griechischen Figuren sind stehend, die nackten von Michel- 
angelo liegend, die bekleideten sitzend dargestellt. Dies gilt natürlich 
nur von Einzeliiguren, nicht von denen in componirten Bildern; die 
am meisten charakteristischen Werke von Michelangelo sind  aber 
auch, wie die Antiken meist solche einzeln für sich hingestellte 
Menschen, mögen sie nun von Stein oder gemalt sein, da er doch 
seiner ganzen Anlage nach mehr Bildhauer als Maler ist; und nur 
durch Nebeneinanderordnung von mehreren oder vielen einzelnen wird 
daraus doch ein grösseres zusammenhängendes Werk, in welchem sich 
die grössten Gegensätze von einander abheben und ergänzen "können. 
So zeigen es in grossartiger Einfachheit die Grabmäler der Mediceer 
mit den schon erwähnten grossen nackten allegorischen Figuren und 
den sitzenden "Porträtstatuen der Herzoge (larüber, so (lagegen in 
reichster Fülle der grösste Theil des Riesenwerkes seiner Jugend, der 
Decke der sixtinischen Capelle, die er in kaum 4 Jahren mit eigener 
Hand gemalt hat. Abgesehen von Wenigen grösseren Gemälden, wozu 
die Erschaffung Adams gehört, ist sie mit einer gemalten Architektur 
bedeckt, in deren Bogen und Nischen eine ganze Welt von Einzel- 
iiguren oder kleinen Gruppen von der verschiedensten Grösse und 
Abstufung des Ausdrucks vertheilt ist. 
Zu den nackten, liegenden Gestalten gehören schon die meisten 
der bereits erwähnten, und wenn diese auch als besonders hervor- 
ragende Werke ihre eigene Bedeutung als Darstellung des Schlafes
        

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