Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425700
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des Michelangelo 
Menschen 
Die 
Grieche verfallen, noch weniger hätte er sie so durchgeführt. Ver- 
gleichen wir eine antike schlafende Figur, die Ariadne aus dem vati- 
canischen Museum. Wenn man nur so von Weitem hinsieht, denkt 
man bei ihr viel eher an Schlafen; so leicht hingegossen 
ruht sie auf einer Art von Divan mit sanft übereinander hin- 
gelegten Unterschenkeln. Sieht man aber naher zu, so 1nöchte 
man glauben, sie thäte nur so, als ob sie schliefe. Wenigstens ist 
das nicht der feste Schlaf, dessen Eintritt Homer mit dem Ausdrucke 
bezeichnet, dass er die Gelenke löst. Diese Glieder haben noch 
Haltung. Diese nur massig gebogene linke Hand müsste tiefer ein- 
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antike 
Schlafende Ariadne, 
Rom. 
im Vatican zu 
Marmorstatue 
knicken„wenn der Kopf wirklich fest auf ihr läge, und dann müsste 
der Kopf auch tiefer niedersinken und der andere Arm wieder von 
ihm herabfallen. Es sieht so aus, als olo es dem Griechen gleichsam 
wehe gethan hatte,- einem Gelenke die grösstmögliche Biegung zuzu- 
muthen, es ohne alle Unterstützung durch die Muskeln zu lassen, 
Dagegen bei Michelangelo war die Vorstellung einer absoluten Ruhe 
der im Schlafe gelösten Glieder und der von ihnen ganz abgelösten 
Seele so vollkommen ausgebildet, dass er gleichsam nicht fürchten 
konnte, sie fühlten etwas davon, wenn er sie wie todte Stücke gegen- 
einander stemmte und thürmte.
        

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