Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425657
im Vergleich mit der Antike. 
kann, wenn wir einen Grund dafür finden wollen, dass die Menschen, 
wie sie die Griechen oder Michelangelo darstellen, durch diese ihre 
Körperstellungcn einen geistig verschiedenen Eindruck auf uns machen. 
Wir haben, wie gesagt, wenig Bewusstsein von einer Willkürlichkeit 
unserer Bewegungen in dem gewöhnlichen Verlaufe ihres Ineinander- 
greifens bei den alltäglichen Lagen und Verrichtungen des Lebens 
beim Gehen, Stehen, Niedersitzen, Aufstehen, Greifen, Loslassen, 
Essen, Trinken. Damit ist aber nicht gesagt, dass unsere körperlichen 
Organe, indem sie uns diese Dienste leisten, unserem Willen nicht 
unterworfen wären; im" Gegentheil, sie sind es recht sicher und 
ordnungsrnässig, sie sind so eingewöhnt darauf, dass es nur leiser 
Winke bedarf, um unseren Absichten gemäss diese zum Theil recht 
complicirten Actionen von Muskeln, Gelenken und Knochen ins Spiel 
zu setzen und der bewusste Wille sich um das Einzelne ihres Ver- 
laufes gar nicht mehr zu kümmern braucht. H-ier ist es, WO dann 
die Grenze sehr unmerklich wird, zwischen dem was doch im Grunde 
noch eigentlich geistiger Einfluss nur mit sehr geringer Aufmerksam- 
keit ist, und dem rein körperlicheil Ablaufe des gut eingewöhnten 
Mechanismus  Die Organe des Körpers gehorchen eben im gewohnten 
Gebrauche dem Impulse des Geistes so wie von selbst, dass man gar 
nicht mehr sieht und fühlt, wie sie von einem Centrum aus in Gang 
gesetzt, von einem Gedanken an die Absicht, die der Wille verfolgt, 
geleitet werden, wie die Schiffe der Phaaken bei Homer, die Ohne 
Steuer fahren, weil die Schiffe schon wissen, wo sie hin Wollen. Wir 
bemerken in diesem Zustande möglichst Wenig von dem Unterschiede 
zwischen Körper und Geist, sowohl an anderen als durch das Bewusst- 
sein an uns selbst. Es kann gerade dann der Gedanke am leichtesten 
aufkommen, der Körper sei nichts als der Geist, der sichtbare Gestalt 
angenommen hat, oder der Geist nur die natürliche Lebensäusserung 
des Körpers, beide seien eins, oder der Geist sei wenigstens nicht 
nur von einem Mittelpunkte aus im Körper dirigirend wirksam, wie 
er dies doch wirklich ist, sondern er sei überall bis in die Finger- 
spitzen und in die Haut hinein in ihm verbreitet. Denn jeder Theil 
folgt wie von selbst in seiner Haltung dem Gesetze des einen Zweckes, 
von dem augenblicklich die Bewegung aller miteinander bestimmt ist. 
 Vgl. meine Abhandlung über willkürliche und unwillkürliche Bewegungen, 
deutsche Rundschau 1891.
        

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