Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422383
Veron a. 
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Wie uns bei dem Gang durch die Strassen Verona's schon die 
Paläste erzählen, hängt die folgende Kunstblüthe der Stadt in der Gothik 
während der zweiten Hälfte des 13. und im 14. Jahrhundert auf das 
Innigste mit der Herrschaft der Skaliger zusammen. Zu Ende der roma- 
nischen Periode, 1260, begann die Herrschaft dieser mächtigen Familie 
damit, dass Mastino della scala Podesta wurde und 1262 capitano des 
Volkes; die höchste Macht erreichten die Skaliger unter Can F rancesco 
il grande (1311-1329), unter dem Padua und Vicenza in Abhängigkeit 
von Verona kamen. 1387 wurde Verona durch Galeazo Visconti erobert, 
um 1406 kam es unter die Herrschaft der Venezianer. Obgleich auch 
noch im I5. Jahrhundert in der Veroneser Architektur vor Allem durch 
den gothischen Umbau des Domes und  wie oben angedeutet  im 
Palastbau künstlerisch manches Bedeutende geleistet wurde, so begann 
jetzt doch die Stadt von der grossen kunstgeschichtlichen Machtstellung, 
die sie im I4. Jahrhundert noch so glänzend behauptet, zurückzutreten, 
und an ihre Stelle trat, besonders in dem massgebenden Einfluss auf die 
nordische Kunst, Venedig. 
Die Denkmale monumentaler gothischer Architektur sind in Verona 
lange nicht so zahlreich als die der romanischen, auch zeigen sie, obgleich 
nach dieser Seite hin ihre Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, 
keinen so weittragenden Einfluss wie jene. Ein Hauptgrund hiervon liegt 
schon darin, dass sich die deutsche Gothik zu grossartig und zu selbst- 
ständig entwickelt hat, als dass von wesentlichen Einflüssen der italienischen 
auf die deutsche Kunst hier die Rede sein könnte; auf benachbarte Orte 
aber, wie z. B. auf die dem 14, Jahrhundert angehörende Pfarrkirche zu 
Bozen, waren natürlich die Veroneser Bauten von grossemf hier sogar von 
massgebendem Einfluss. 
Wenn aber Verona in der Gothik auch nicht ein gleich hervorragender 
Mittel- und ein so wichtiger Ausgangspunkt wie in der romanischen 
Architektur war, sondern seit dem Beginn dieser Stilperiode in eine ent- 
schiedene Abhängigkeit von Venedig und andererseits von Mailand geräth, 
die sich im 1 5.Jahrhundert noch wesentlich steigert, so sind seine gothischen 
Bauten doch glänzende Denkmale der Zeit der grössten politischen Macht 
der Stadt und künstlerisch vor Allem anziehend durch eine hohe Origi- 
nalität. 
Die früheste der drei gothischen Hauptkirchen Veronas ist S. Ana- 
stasia. Der Chor und das erste Joch des Langhauses wurden 1290-1295 
ausgeführt; der übrige Bau gehört, abgesehen von der späteren F agade, 
dem 14. Jahrhundert an; 1422 scheint die Kirche im Wesentlichen voll- 
endet. 
S, Anastasia ist eine Dominikanerkirche, 
welch grosse Verdienste die Bettelorden um 
die dadurch daran erinnert, 
die Verbreitung der Gothik
        

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