Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422368
Verona. 
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wahrscheinlich etwas ältere Arbeit dieser Schule ist der mit Reliefs, 
darunter eine Darstellung der Kreuzigung Christi, geschmückte Altar in 
der Krypta von S. Zeno, ihre beste Leistung der schöne Taufstein aus 
Marmor in S. Giovanni in fonte; er enthält acht Reliefs, die durch einen 
von Säulen getragenen Rundbogenfries eingefasst werden und die Ge- 
schichte Christi von der Verkündigung bis zur Taufe im Jordan erzählen, 
unter denen sich auch die Scene findet, wie Herodes die Boten mit dem 
Befehl des Kindermordes entsendet, die wiederholt auch deutsche Minia- 
turen des frühen Mittelalters darstellen. Die architektonischen Details, die 
vollkommen zu denen am Dom und S. Zeno stimmen, weisen auf die 
Mitte oder zweite Hälfte des I2. Jahrhunderts als die wahrscheinliche 
Entstehungszeit hin; dass der Taufstein Weit sorgfältiger behandelt ist 
als jene dekorativen Portalskulpturen, ist natürlich. Allerdings zeigen sich 
auch bei ihm vielfach auffallende Schwächen; die Verhältnisse der Figuren 
sind häufig stark vergriffen, namentlich oft übertrieben lang; dass diese 
Schwächen so sehr auffallen, daran ist jedoch vor allem mit der grösste 
Vorzug dieser Skulpturen schuld, nämlich deren lebhafte, sehr selbst- 
ständige Erzählung, die ja auch die Reliefs an S. Zeno und dem Dome 
auszeichnet, ja sogar den barbarisch rohen Broncereliefs an den Thüren 
von S. Zeno noch einen gewissen Reiz verleiht. 
Von einem Einfluss der byzantinischen Kunst kann bei dieser Plastik 
ebensowenig die Rede sein, wie von einem besonders starken Nachwirken 
der Antike, während sich dieses recht deutlich in der dekorativen Archi- 
tektur z. B. in den gedrehten Säulen geltend macht. Warum das archi- 
tektonische Detail und Ornament der V eroneser im Mittelalter ein besonders 
starkes, die Plastik dagegen nur jenes Nachleben der antiken Kunst zeigt, 
das der gesammten romanischen Skulptur eigen, gründet wohl einfach darin, 
dass die künstlerisch anziehenden Reste der antiken Architektur Jeder- 
mann vor Augen standen, ihm ungesucht entgegen traten, die der antiken 
Plastik dagegen, die wir heute hauptsächlich im Museo civico oder lapi- 
dario studiren, damals verschollen, erst später wieder aufgedeckt wurden, 
auch das bedeutendste plastische Werk Veronas, das auf dem Boden 
antiker Kunsttradition steht, der altchristliche Sarkophag in der Krypta 
von S. Giovanni in valle mag damals wohl wenig beachtet worden sein. 
Die mittelalterliche Plastik Veronas hat sich ebenso selbständig wie die 
deutsche entwickelt, und die Schule des I2. Jahrhunderts verdient einen 
bedeutenden Platz in der Kunstgeschichte. 
Dass in Folge der reichen plastischen Thätigkeit Veronas während 
des I2. Jahrhunderts und der I. Hälfte des I3. Jahrhunderts, wo die 
deutsche Plastik namentlich in der sächsischen Schule ihr Bestes leistete, 
ein gewisses Nachlassen eintrat, ist natürlich, aber doch besitzt Verona 
eine Reihe beachtenswerther Werke aus dieser Zeit, die von der Fortdauer
        

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