Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422336
Veron a. 
dass die historischen Scenen neben dem Portale von S. Zeno in klarer 
Reihenfolge an passender Stelle angebracht sind, das Phantastische dagegen 
ausgeschieden wird, und gleichfalls an geeigneter Stelle bei den tragenden 
Figuren, Kapitälen, Friesen u. s. w. seinen Platz findet. 
Von den mit Pilaster eingefassten Reliefstreifen zu beiden Seiten des 
Portales von S. Zeno zeigen rechts die beiden Sockelreliefs Theodorich, 
der als wilder Jäger dem Teufel entgegenreitet; die darüber befindlichen 
sechs Reliefs aber erzählen die Schöpfung und das Leben des ersten 
Menschenpaares; links sind als Sockelreliefs zwei Kampfscenen angebracht, 
darüber in acht Bildern die Geschichte Christi von der Verkündigung bis 
zur Kreuzigung. Im Tympanon steht S. Zeno, zu dessen Verehrung von 
rechts Bewaffnete zu Pferd, links zu Fuss herbeieilen; unter diesem Relief 
ist ein Streifen mit verschiedenen Heiligen, die unter Säulenarkaden stehen. 
Am Architrav des Vorbaues aber, der durch Säulen getragen wird, die 
auf dem Rücken mächtiger Löwen ruhen, finden sich die besonders inter- 
essanten Darstellungen der zwölf Monate, die aus später Zeit des roma- 
nischen Stiles auch an dem Mittelportale. von S. Marco in Venedig wieder- 
kehren, 
Diese Monatsdarstellungen in schlichten, aber anziehenden und für 
die Entwicklung des Naturalismus bedeutsamen Genrebildern, durch welche 
die Darstellung des täglichen Lebens mit zuerst in der Kunst Boden Endet, 
erinnern einestheils an diejenigen am Portal des Baptisteriums zu Pisa, 
welche die Frage anregen, ob diese Bilder nicht auf Anregungen der 
antiken Kunst zurückzuführen sind, während sie andererseits auf die ver- 
wandten Bilder der deutschen Handschriften deuten, die sich seit dem 
I 3. Jahrhundert häufig in den Kalendarien finden, und besonders dann in 
den niederländischen Miniaturen des I5. Jahrhunderts eine so anziehende 
Rolle spielen. 
Auch das Innere von S. Zeno zeigt in seiner dekorativen Plastik die 
rege Phantasie der Veroneser Schule, vor Allem an den Kapitälen, be- 
sonders an denen der Krypta und an den sieben Bogen, unter denen 
man aus dem Schiff in die Krypta hinabsteigt. Diese Bogen werden 
durch reiches Ornament geziert, vier durch Friese mit Thieren, die übrigen 
durch Ranken mit kleinen Blättern, die ein beredtes Zeugniss für den 
Schönheitssinn der Italiener ablegen; weitaus am feinsten und freiesten ist 
die Dekoration der beiden nördlichen Bogen, die nach der Inschrift an dem 
Kapital, das sie stützt, von Meister Adaminus gefertigt wurden. 
Einzelne Kapitale in S. Zeno haben einfach trapezartige Bildung, die 
sich dann auch im Salzburgischen, so besonders in S. Nicolaus in Reichen- 
hall, wiederfmdet, wie sich auch mehrere sehr charakteristische Ornament- 
formen, die wir hier antreffen, z. B. am Portal des F reisinger Domes oder 
in den Kreuzgängen von S. Zeno in Reichenhall oder in Berchtesgaden
        

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