Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422321
Verona. 
der Rosette mag die toskanische Fagade, wie sie hauptsächlich von Pisa 
ausging, von Einfluss gewesen sein, ebenso wie diese durch ihre Säulen- 
dekoration auch zu dem reichen Lisenenschmuck bei S. Zeno angeregt 
haben mag. Aber die Fagade von S. Zeno verwerthet diese Einflüsse 
ganz frei; sie ist organischer als jene; das Mittelschiff wird, wie auch beim 
Dom, durch die kräftigen Wandpfeiler bestimmt von den Seitenschiffen 
getrennt, die Horizontale gut untergeordnet, und indem der Rundbogen- 
fries, der Linie des Daches folgend, schräg aufsteigt und damit die Pilaster, 
die ihn tragen, gegen den Giebel an Länge zunehmen, gewinnt die An- 
lage des Innern klaren Ausspruch an der Fagade, die so aus dessen 
Wesen hervorwächst, nicht, wie so häufig bei italienischen Facaden roma- 
nischen Stiles, ihm nur als Dekorationsstück vorgestellt ist.  
Am meisten fesselt an der Fagade von S. Zeno das schöne Portal 
mit seinem reichen plastischen Schmuck, laut Inschrift von Meister Niko- 
laus und Wilhelm ausgeführt, bei denen uns der schöne Marmor auf den 
Vortheil eines trefflichen Materiales hinweist, der die Veroneser Plastik so 
sehr begünstigte. Wenn wir bei der Fagadevon S, Zeno das Organische 
bewundern, so gilt dies vor Allem auch von der Verwerthung der Plastik 
an derselben; gerade an und neben dem Portale tritt sie besonders reich 
auf, aber nicht wie bei den Fagaden von S. Michele in Pavia, bei der 
Kathedrale in Modena und Anderen willkürlich über die Fagade aus- 
gestreut, sondern in einen festen architektonischen Rahmen gefügt. Wenn 
man die Bedeutung der romanischen Plastik Oberitaliens gegenüber der 
deutschen gewöhnlich nicht sehr hoch anschlägt, so mag schon dieser Zug 
gegenüber diesem Urtheil bedenklich machen, und vergleicht man die 
gleichzeitigen deutschen Portale, so wird man zugeben müssen, dass die 
in der ersten Hälfte des I2. Jahrhunderts gefertigten Skulpturen von 
S. Zeno (angeblich 1139 vollendet) an Reichthum und auch an Lebendig- 
keit der Erzählung den gleichzeitigen deutschen Arbeiten entschieden 
überlegen, dass sie einen beachtenswerthen Sinn für einfache, grosse Formen 
bekunden, und wenn auch unbeholfen genug, so doch von den deutschen 
Arbeiten jener Zeit keineswegs überholt werden. Das erklärt auch den 
bedeutenden Einfluss, den die romanische Plastik Oberitaliens auf die süd- 
deutsche gewann.  
Schon Anlage und Durchbildung der Kirchen und speciell der Fagaden 
Veronas zeigten eine reiche Phantasie, noch mehr konnte sich dieselbe in 
Plastik und Ornament bethätigen. Die Plastik ist hier, wie ja auch in 
der deutschen Kunst des Izjahrhunderts, noch wesentlich dekorativ, was 
grossentheils die Vernachlässigung der Form erklärt, und sie kann daher 
auch von dem reichen phantastischen Ornament nicht getrennt werden, 
Bezeichnend für die Ueberlegenheit von S. Zeno gegenüber etwa S. Michele 
in Pavia und auch den in Rede stehenden deutschen Bauten erscheint es,
        

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