Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422313
Veron a. 
medin (8. Jahrhundert) Endet; die romanische Baukunst Oberitaliens ver- 
werthet ihn häuüg, und von hier kam er unter direkter Nachahmung von 
S. Lorenzo in Verona Ende des I2. Jahrhunderts nach St. Nicolaus in 
Reichenhall. 
In erster Linie ist es die altchristliche Kunst, auf der weiterbauend der 
oberitalienische Romanismus seinen eigenartigen Charakter entwickelt, da- 
neben aber weist besonders S. Lorenzo zumal durch die Emporen über 
den Seitenschiffen noch auf einen anderen bedeutsamen Einfluss für die 
Veroneser Architektur, weiterhin auch für die gesammte oberitalienische 
Baukunst, nämlich auf den byzantinischen, den hier natürlich die Kathe- 
drale von S. Marco in Venedig vermittelt. 
Die Emporen in S. Lorenzo weisen so einestheils auf das Vorbild 
von S. Marco hin, das grossartigste Denkmal der auch kunstgeschichtlich 
welthistorischen Mittelstellung Venedigs zwischen Byzanz und dem Abend- 
lande, erinnern aber andererseits auch daran, wie offenbar unter gleicher 
Anregung gerade bei einer Reihe sehr bedeutender romanischer Kirchen 
Oberitaliens diese Emporen auftreten, wie bei S. Michele in Pavia, S. Am- 
broggio in Mailand, den Kathedralen von Modena, Parma, Piacenza und 
Cremona, von hier aber gelangt diese Anlage nach Deutschland und 
findet sich in dem ganzen Gebiete, dessen Baukunst sich in so inniger 
Fühlung mit der oberitalienischen entwickelte, beim Münster in Basel, 
beim Grossmünster in Zürich, bei S. Nicolaus in Reichenhall und in 
Klosterneuburg bei Wien. 
Von besonderem Interesse sind beim Dom und St. Zeno namentlich 
auch die Ilagaden. Die erstere wurde jedoch später wesentlich verändert, 
so dass wir unsere Betrachtungen besser an die in der Anlage auch 
entschieden bedeutendere von S. Zeno knüpfen. Man hat bei der Fagade 
von S. Zeno, die als die gelungenste romanische in Oberitalien bezeichnet 
werden muss, vor Allem an deutschen Einfluss gedacht; ich halte dies für 
unrichtig, schon weil absolut keine deutsche Facade des I2. Jahrhunderts 
nachzuweisen ist, die S. Zeno hätte Anregungen bieten können. Die Fagade 
begann in Deutschland überhaupt erst spät, namentlich im I 3. Jahrhundert, 
sich zu entwickeln, meist unter Anregung der französischen Baukunst; die 
Versuche von Fagadenbildung bei Altenstadt und Klosterneuburg aber 
stehen entschieden wie der ganze Bau gerade umgekehrt unter lombar- 
dischem Einfluss. 
Die treffliche Fagade von S. Zeno, die sich besonders durch klare 
Disposition auszeichnet und durch streng logische Durchführung, ist viel- 
mehr, da auch burgundischer Einfluss durch die Cluniacenser hier durch- 
aus nicht wahrscheinlich, echt oberitalienisch. Auf die starke Betonung 
der Horizontale durch die Galerie, welche über dem Portale sich an der 
ganzen Fagade hinzieht, und durch den Rundbogenfries unter und über
        

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