Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422307
Verona. 
C 
Die romanischen Kirchen Verona's lassen sich in zwei grosse Gruppen 
scheiden, die ältere, schlichtere, die wesentlich dem II. Jahrhundert an- 
gehört, theilweise wohl schon in dessen erste Hälfte zurückgreift, mit den 
Kirchen: S. Maria antica, S. Giovanni in fonte, S. Giovanni in valle und 
S. Stefano; am Ende dieser Gruppe steht und bildet den Uebergang zur 
zweiten S. Lorenzo, das seine jetzige Gestalt trotz der sehr alten West- 
partie doch wohl kaum vor Ende des II. Jahrhunderts erhalten; schon 
die gleiche Behandlung der Kapitale mit S. Zeno und der Westseite des 
Domes lassen die Annahme eines besonders hohen Alters für diese Kirche 
unstatthaft erscheinen. 
Glänzender noch gestaltet sich die zweite Periode, die hauptsächlich 
wohl der ersten Hälfte und Mitte des I2.]ahrhunderts angehört, mit den 
grossartigen, reich durchgeführten Bauten des Domes und von S. Zeno, 
an denen wohl bis gegen den Schluss des Jahrhunderts fortgebaut wurde; 
unter den Denkmalen dieser Zeit mag auch, da sonst nirgends erwähnt, 
die Kirche S. Trinita genannt werden, von der sich der Thurm und die 
drei Apsiden, die mittlere ein sehr eleganter Quaderbau mit hübschen 
Lisenen und beachtenswerthem Mittelfenster, sowie die interessante west- 
liche Vorhalle aus romanischer Zeit erhalten haben. Wesentlich durch 
die hohe künstlerische Bedeutung des Domes und von S. Zeno gewinnt 
dann Verona so grossen Einfluss auf die Baukunst des südlichen Deutsch- 
lands, der es ja immerhin bedeutsam vorausgeeilt war, da die betreffenden 
deutschen Bauten erst in den Schluss des I2. und in den Beginn des 
I 3. Jahrhunderts gehören. 
Die Anlage der romanischen Kirchen Verona's knüpft an die der 
altchristlichen Basilika, wie sie sich hauptsächlich in Rom und Ravenna 
entwickelt hatte, und bevorzugt dabei die besonders den Ravennaten 
geläufige Anlage ohne Querschiff, die in Oberitalien überhaupt sehr häufig 
auftritt und offenbar von hier nach Bayern und Oesterreich übertragen 
wurde, wo sie fast ausschliesslich herrscht. Das Querschiff ist aber in 
Verona deshalb keineswegs ausgeschlossen, wie schon S. Stefano und 
S. Lorenzo zeigen, wie den Veroneser Kirchen überhaupt durchweg eine 
grosse Mannigfaltigkeit eigen ist. Auch die Stützen, welche die Hochwand 
des Mittelschiffes der Basilica tragen, zugleich das Mittelschiff von den 
Seitenschiffen trennen, lassen diese Mannigfaltigkeit erkennen. In, S. Ste- 
fano sind es Pfeiler, in S. Maria antica, Säulen, in S. Giovanni in fonte, 
S. Giovanni in valle, S. Lorenzo und S. Zeno aber wechseln Pfeiler und 
Säulen; dieser Stützwechsel weist zurück auf die altchristliche Kunst, wo 
er sich in Rom, z. B. in S. Clemente (4. Jahrhundert) und Maria in Cos- 
menten nicht übereinstimmen kann; es ist hier eben, wie ja auch in Deutschland, häufig 
von jenen ältesten, urkundlich erwähnten Bauten nichts mehr oder nur einzelnes Detail 
erhalten, wie Kapitäle, Säulen u. s. w., die bei späteren Bauten wieder verwendet wurden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.