Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422276
Verona. 
Zeigen auch schon die italienischen Paläste des I4. Jahrhunderts die 
Absicht, den Bau künstlerisch zu gestalten, wie die Skaligerpaläste durch 
ihre Loggien und durch die Säulenhallen, wie sich solche aus dem I4. Jahr- 
hundert auch noch in der via Portici erhalten haben, so kann es doch 
keinem Zweifel unterliegen, dass gegenüber den gewaltigen, grossentheils 
noch ganz ungegliederten Mauermassen, die hier noch in erster Linie den 
Eindruck des Palastes bestimmen, erst mit dem I5. Jahrhundert der 
Wunsch nach feiner, eleganter künstlerischer Durchbildung der Palast- 
fagade erwacht. Eines der seltenen Beispiele eines rein gothischen Palastes 
des I5. Jahrhunderts Endet sich corso Cavour IO, das zugleich deutlich 
den Einfluss des jetzt ja auch politisch die Stadt beherrschenden Venedigs 
zeigt. Aehnlich im Stil, jedoch etwas späterer Zeit angehörig, ist der 
stattliche Palast via S. Nicolo I5 und als Beispiele rein gothischer Paläste, 
die alle venezianischen Einfluss erkennen lassen, mögen etwa noch die 
schönen via S. Mammaso 4 und via Maria chiavica 3 genannt werden. 
Uebrigens lässt der Veroneser Palastbau gegenüber Venedig doch eine 
entschiedene Selbständigkeit erkennen, wie schon der Vergleich mit 
Vicenza lehrt, das lediglich ein Ableger venezianischer Kunst. Bei Verona 
war dies schon dadurch nicht möglich, dass die Stadt vorher eine grosse 
selbständige Kunstblüthe besessen. Auch in den Palästen spricht sich 
dies aus; zuweilen, wie z. B. die beiden letztgenannten, kopiren sie einfach 
die venezianische Anlage mit der charakteristischen, ursprünglich offenen, 
jetzt durch Fenster geschlossenen Halle in der Mitte des ersten Stockes 
als Hauptmotiv; in der Regel aber verwerthen sie die Anregungen freier 
und gestalten die Halle meist zu einer praktischeren Fensteranlage um. 
Gegenüber jenem Palaste am corso Cavour N0. I0, der uns zu diesem 
kleinen Excurs über die spätgothischen Paläste der Stadt führte, steht 
ein Frührenaissancepalast, in dem jetzt die banca nazionale. Verona be- 
sitzt in der Geschichte der Frührenaissance Oberitaliens in Architektur 
und Plastik keine Stellung, die sich jener herrschenden im romanischen 
Stil oder auch nur jener in der Gothik vergleichen liessejaber doch dankt 
ihr Verona manches ansprechende Kunstwerk, und auch dieser Stil ge- 
winnt hier einen eigenartigen Charakter, schon dadurch, dass man wie in 
Venedig lange an der Gothik festhielt, während sich andererseits wohl 
wesentlich von Mailand her die Frührenaissance hier früher und stärker 
als in Venedig geltend macht, was zu einem originellen, reizvollen Misch- 
stil führt. 
Einer der frühesten dieser Paläste via S. Eufemia 20 ist noch voll- 
kommen gothisch; auch die Gesimse, welche die Stockwerke gliedern, 
belebt gothisches Laubwerk; nur die Kapitale an den beiden Portalen 
lassen in den Engelsköpfen, die über den Blättern hervorsehen, ein 
schüchternes Auftreten der Renaissance erkennen und ebenso die Medaillons
        

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