Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422261
Verona. 
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voll wirkt. Ein Gang über den Corso ist die beste Einführung in die 
Kunstgeschichte Veronas. 
In der Mitte des Corso steht als Denkmal römischer Kunst die im 
dritten Jahrhundert unter Gallienus erbaute porta Borsari; Verona ist ja 
noch verhältnissmassig reich an Resten römischer Baukunst und besonders 
durch das zu Ende des dritten Jahrhunderts unter Diokletian entstandene 
Amphitheater und die porta Borsari bilden sie heute noch einen wesent- 
lichen Zug in dem Bilde der Stadt, zu dessen ernstem Charakter die 
imposanten Ruinen einer mehr denn anderthalb Jahrtausende alten Kunst 
prächtig stimmen. Ausser den beiden genannten Bauten ist von römischer 
Kunst der feinere arco de' leoni zu nennen, von dem sich freilich nur ein 
kleiner Rest erhalten, und bis 1805 stand noch ein dritter Thorbogen der 
arco de" Gavi in der Nähe des castello vecchio; die Reste eines antiken 
Theaters hinter S. Siro e Libera dagegen haben lediglich nur archäo- 
logisches Interesse. 
In Trier besitzt auch Deutschland noch eine Stadt mit bedeutenden 
Resten römischer Kunst, aber während diese als Denkmale eines fremden 
Volkes und längst vergessener Zeit keinen Zusammenhang mit der fol- 
genden Kunst zeigen, lassen die Denkmale aller Zeiten in Verona erkennen, 
dass man dieser Kunst nie fremd gegenüber stand, dass man stets für sie 
nicht nur historisches, sondern auch künstlerisches Interesse besass und 
der mittelalterliche Meister im Vorübergehen ebenso gut an der porta 
Borsari studirte wie der Künstler der Renaissance. Die romanische Kunst 
lässt den Zusammenhang mit der römischen vielfach leicht erkennen, 
aber auch im I4. Jahrhundert bei dem Grabdenkmal des Can grande zeigen 
die Säulen die Einwirkung derer der porta Borsari und in der ersten 
Hälfte des I5.Jahrhunderts die an den Terracotten der capella Pellegrini, 
und man geht von porta Borsari nur wenige Schritte zum palazzo Bevil- 
acqua, dessen prächtige F agade das beste Zeugniss für die Anregungen, 
die der bedeutendste Renaissancearchitekt Veronas, Sanmichele, aus der 
porta Borsari schöpfte. 
Nahe bei porta Borsari liegt die Kirche S. Apostoli und ihr schräg 
gegenüber S. Lorenzo, nicht weit vom Beginne des Corso aber der Dom; 
sie vertreten hier die romanische Stilperiode, die historisch bedeutendste 
Zeit der Veroneser Architekturgeschichte. Am Anfange des Corso aber 
steht die Kirche S. Anastasia; sie erinnert an die zweite Blüthezeit der 
mittelalterlichen Kunst V eronas in der Gothik, die unter die Regierungs- 
zeit der Skaliger fällt, die am Corso das mächtige Schloss castell vecchio 
erbauten; ein Rest des Palastbaues dieser Zeit ist auch der stattliche 
Thorbogen eines alten Hauses am corso porta Borsari, über dem sich 
ein Relief des I4. Jahrhunderts befindet: xMaria mit dem Kinde, die 
hl. Dreifaltigkeit, St. Michael und Raphael mit dem kleinen Tobiasß 
qill
        

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