Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422243
Verona. 
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ist, Einblick 
winnen. 
in 
eine 
andere 
Kunstwelt 
als 
die 
seiner 
Heimath 
ZU 
Neben dem Zugange von diesem Platze zur via nuova steht eine 
gothische Heiligensäule, am Eingange der lebhaften I-Iandelsstrasse, die 
durch ihr buntes Treiben noch heute an Verona als die grosse Handels- 
stadt des Mittelalters erinnert, wie noch lebendiger und farbenreicher die 
piazza d'erbe, zu der uns diese Strasse führt. Zwar gehören die meisten 
der Paläste, die den so ausserordentlich malerischen Platz einschliessen, 
wie der palazzo Maffei mit seiner wirkungsvollen, wenn auch etwas schweren 
F agade, die casa Mazanti und andere mit ihren verwitterten Fresken erst 
weit späterer Zeit an, aber die historischen Erinnerungen und auch manche 
Denkmale, vor Allem die mächtigen, mittelalterlichen Thürme führen uns 
zurück in jene längst verflossene Blüthezeit der Stadt im Mittelalter, und 
mitten im modernen Getriebe gewinnen wir das lebendigste Bild von der 
Vergangenheit. 
In der Mitte des Platzes steht die Tribuna, deren Spitzdach vonivier 
Säulen getragen wird; sie diente einst bei der Einsetzung des Podesta, 
später bei Gerichtsverhandlungen; nördlich von ihr der alte Marktbrunnen 
mit der zwar unbedeutenden, aber doch theilweise antiken Statue der 
Verona und die mächtige Säule mit dem Löwen des hl. Markus (moderne 
Nachbildung), die an die Unterwerfung der Stadt durch die Venezianer 
erinnert; aus Veronas Glanzzeit dagegen stammt der 1172 für die Familie 
Laniberti erbaute, I 370 von der Stadt erworbene und umgebaute Torre 
del comune, einer der höchsten Stadtthürme Italiens, vor Allem aber 
auch die durch die Skaliger 1301 umgebaute casa dei mercanti mit ihrer 
Säulenhalle. 
Unter einem Bogen durchschreitend, gelangen wir auf die anstossende 
piazza dei signori. S0 hart die beiden Plätze an einander grenzen, finden 
wir hier doch eine völlig andere Welt; nicht leicht wird eine zweite 
Stadt zwei Plätze nebeneinander aufweisen können, die künstlerisch so 
bedeutend, zwei so ganz verschiedene Charaktere besitzen und denen sich 
als dritter die an die piazza dei signori stossende piazza d'arche gegen- 
überstellt mit den imposanten und phantastischen Grabdenkmalen der 
Skaliger. 
Auf die von buntem Leben wimmelnde piazza d'erbe münden drei 
Hauptstrassen Veronas: der corso, die via nuova und die via S. Sebastiano; 
die aristokratisch stille piazza dei signori dagegen liegt von den Verkehrs- 
strassen seitab und ist nur durch grosse Thor-bogen zugänglich; sie um- 
schliessen stattliche, ernste Paläste, die meist dem mächtigen Herrscher- 
geschlecht der Skaliger ihre Entstehung verdanken. Das AuSSShCn dieser 
Paläste gegen die piazza bestimmen zwar heute wesentlich die Verän- 
derungen, welche dieselben in späterer Zeit, namentlich im I7. Jahrhundert, 
Riehl, Kunstcharaktere. 5
        

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