Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422219
Verona. 
stolzer Palast, wie der mit Fresken gezierte bei Ponte nuovo, der jetzt 
leider auch abgerissen wird, oder der palazzo Pompeji. Originell gestaltet 
sich die Anlage der Stadt ferner durch die ziemlich steilen Anhöhen auf 
dem linken Etschufer, die mitunter, wie z. B. bei der hübschen Freitreppe 
vor der Kirche S. Siro e Libera, mit Geschick künstlerisch ausgenützt 
sind. Steigen wir an diesen Höhen empor, so bietet sich der herrlichste 
Ueberblick über die Stadt. Besonders schön gestaltet sich derselbe von 
dem berühmten giardino Giusti aus, wo wir von der terrassenartig anstei- 
genden Höhe mit ihren reizvollen, schattigen Plätzen, die wie zu stillen, 
poesievollen Träumen geschaffen, herabsehen auf das weite Panorama, 
im Vhrdergrtinde den Garten mit seinen grossen, düsteren Cypressen und 
den anmuthigen Blumenbeeten, zwischen denen die Springbrunnen und 
Statuen, ein herrliches, echt italienisches Bild_, das zeigt, wie man hier 
die schöne Lage auszunutzen, der Kunst durch die Verbindung mit der 
Natur einen erhöhten Reiz zu verleihen wusste. 
Durch die eigenartige Lage ist die Stadt etwas eng zusammen- 
gedrängt, die italienische Anlage tritt dadurch zuerst weniger klar hervor, 
das Verwirrende der kleinen Strassen beim Dom oder in der Gegend von 
St. Maria della scala, erinnert an das Gewinkel deutscher Städte mittel- 
alterlichen Charakters. Aber nur bei oberflächlicher Betrachtung, wer 
einmal die Anlage der Stadt übersieht, erkennt deutlich, wie trotz der 
erschwerenden Umstände eine einheitliche Idee festgehalten ist, die Tendenz 
der Strassen von West nach Ost, von Nord nach Süd aber nicht im 
strengen Schematismus, wie ihn polizeiliche Verordnung herbeiführt, son- 
dern als etwas von selbst Gewordenes, mit den vielfachen Modifikationen, 
die sich daraus ergeben, die dem Ganzen erst seinen malerischen Reiz, 
seine lebendige Wirkung verleihen. 
So ist in Folge der Lage bei Verona zur vollen Würdigung seiner 
Kunstwerke das Eingehen auf die Seitenstrassen nöthiger als bei anderen 
italienischen Städten, besonders auf dem linken Etschufer, wie abgelegen 
ist die interessante Kirche S. Giovanni in valle, wie versteckt S. Maria 
in organo; besonders malerisch sind hier auch manche Höfe mit Säulen- 
hallen, während das Aeussere des heruntergekommenen Hauses wenig zu 
versprechen scheint.  
Den Charakter der Stadt, die bedeutendsten Kunstwerke derselben 
zeigen aber doch auch in Verona die grossen Plätze und Strassen, sie 
geben auch hier, wenngleich kein ganz vollständiges, so doch ein volles 
Bild der Kunst und Kunstgeschichte der Stadt. Die Piazza Vittorio 
Emanuele weist durch das Amphitheater auf Veronas Bedeutung in rö- 
mischer Zeit; es ist der Platz, den Reisende jeder Art zuerst besuchen, 
der mit seiner ernsten, grossartigen Ruine dem zum ersten Male von 
Norden nach Italien Kommenden verkündet, dass es ihm jetzt vergönnt
        

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