Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422154
 
mittelalterliche Kunsthauptstadt Bayerns. 
 
Regensburg als 
Hauses, und auf dem Lande erhält auch die kleinste Kirche reichere 
plastische Ausstattung. Auf die Umgegend wirkte namentlich jetzt die 
Kunst, die sich im vorausgehenden Jahrhundert in der Hauptstadt so be- 
deutend entfaltet; aber so viel auch jetzt in Regensburg noch gemeiselt 
und geschnitzt wurde, so Hervorragendes wie im I4. Jahrhundert wurde 
nicht mehr geleistet; die Kunst der Stadt steht nicht mehr unbestritten 
an der Spitze derer des ganzen Landes; Rivalen treten neben sie und 
überbieten sie. Oestlich erhebt sich die Passauer Schule, besonders in 
der Holzplastik, zu bedeutender Höhe; westlich gewinnt Ingolstadt selbst- 
ständige Bedeutung; nördlich erlangt Nürnberg den Sieg über Regens- 
burg und sein Einfluss erstreckt sich weit in die Oberpfalz, in Gegenden, 
die einst ganz der Regensburger Zone zugehörten; südlich aber herrscht 
seit dem Anfang des I5. Jahrhunderts zuerst die Landshuter, dann gegen 
den Schluss desselben die Münchner Schule, die sich jetzt rasch zum 
Mittelpunkte des bayerischen Kunstlebens ausbildete und schon im 
16. Jahrhundert weit über diese lokale Bedeutung hinausgreift, sich zu 
einem Hauptmittelpunkt des Kunstlebens im südlichen Deutschland ent- 
wickelt. 
Mit dem I5, Jahrhundert hört Regensburg auf, die Kunsthauptstadt 
Bayerns zu sein, nur in einem Meister der Renaissance erscheint es noch 
einmal als solche, in Albrecht Altdorfer, Wer die in den bayerischen 
Landkirchen zerstreuten Gemälde, vor Allem auch die Plastik aus der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kennt, der weiss, wie der Stil, den 
man gewöhnlich als den Altdorfers bezeichnet, der ganzen Gruppe ge- 
meinsam, durch Altdorfer nur am Bedeutendsten ausgesprochen wurde, 
mit Nürnberg und der Schule Dürers hat er nichts zu thun, eher scheint 
er mir Anregungen von der Augsburger Kunst erhalten zu haben, der 
ganze Charakter seiner Kunst aber ist echt bayerisch. 
Ich habe die Malerei in Regensburg, abgesehen von jenen frühen 
Werken der Zeit Heinrichs II., in vorliegendem Aufsatze übergangen, weil, 
was wir heute über sie wissen, nur Fragmente sind und nicht genügt, 
um ein einheitliches Bild von ihr zu geben, um zu zeigen, was im Vor- 
liegenden meine Aufgabe hätte sein müssen, wie sie an der Spitze der 
bayerischen Malerei steht. Die Möglichkeit aber scheint mir keineswegs 
ausgeschlossen, dass, wenn einmal alle die Fragmente, die wir in der 
Miniatur-, Wand, Glas- und Tafelmalerei noch besitzen, gesammelt sind 
und mit Hülfe der litterarischen Notizen, namentlich aber auch mit stetem 
Hinblick auf die Geschichte der Plastik verarbeitet werden, wir dann ein 
klares Bild von der Regensburger Malerschule gewinnen werden, und 
Regensburg wird sich dann wohl auch hier als Bayerns Kunsthauptstadt 
im Mittelalter zeigen und Altdorfer, als schöne Nachblüthe, ein Abschluss 
dieser Kunstübung im Zeitalter der Renaissance erscheinen.
        

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