Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422030
L 
Regensburg als mittelalterliche Kunsthauptstadt 
Bayerns. 
schönste der Grabsteine des I5. Jahrhunderts, die nur ein grosses Wappen 
ziert, scheint mir eine fremde Arbeit zu sein, nämlich der eines Skaligers 
in der alten Kapelle, des 1490 gestorbenen Johannes von der Laiter, Herrn 
zu Bern und Vicenz. 
Natürlich war diese reiche Thätigkeit der Regensburger Plastik auch 
für die Umgebung der Stadt und zwar in weitem Umkreise von grösster 
Bedeutung, und dieselbe in ihrem ganzen Umfange darzustellen, wird eine 
Hauptaufgabe der fortschreitenden Lokalforschung bilden, die für die Ge- 
schichte der Plastik Deutschlands hier wie fast überall noch in den ersten 
Anfangen steckt. Am deutlichsten lässt sich dieser Einfluss auf die Um- 
gegend in der statuarischen Plastik verfolgen, wo uns die einzelnen meist 
noch gut erhaltenen Stein, zuweilen auch Holzfiguren von Ort zu Ort 
davon erzählen; aber auch die Grabplastik bietet interessante Beispiele 
und Probleme, die ich hier allerdings nur sehr flüchtig streifen kann. S0 
steht z. B. wohl in Zusammenhang mit der Regensburger Schule im 
Kloster Reichenbach in der Oberpfalz der Grabstein eines Ritters vom 
Ende des I5. Jahrhunderts. Der Ritter, dessen Kopf derb portraitartige 
Züge, jedoch ohne feine Durchführung zeigt, steht auf einem Löwen. 
Der Grabstein eines Geistlichen von 1486 ebenda, der jetzt in die Wand 
eingemauert, ehedem als Tumba auf Wappen haltenden Löwen ruhte, 
stellt, charakteristisch für die Zeit, statt des Bildes des Verstorbenen ein 
Skelett dar, das Würmer, Kröten und Schlangen anfressen; diese derb 
naturalistische Darstellung findet sich in dieser Zeit bei Grabsteinen 
wiederholt in Bayern, wie ja auch anderwärts, so z. B. auch bei dem 
tüchtigen Grabstein des 1482 gestorbenen Johann Gmainer in der Jakobs- 
kirche in Straubing. 
Zu den besten Leistungen der Regensburger Schule müssen die Grab- 
steine in Sünching gerechnet werden, die, abgesehen von den gleich zu 
besprechenden Ehrendenkmalen in Regensburg, den in der Stadt selbst 
erhaltenen Arbeiten überlegen, offenbar von den tüchtigsten Meistern der 
Schule gefertigt wurden. Der interessanteste derselben, der noch in die 
eigentliche Blüthezeit der Regensburger Skulptur fällt, ist der des 1416 ge- 
storbenen xDiCtYCiCh Hofer zu Sünching, Erbmarschalk des pisthums zu 
Regensburge. Die Gestalt des Verstorbenen ist fast rund herausgearbeitet, 
der Ritter in voller Rüstung, die bis in die kleinsten Details der Riemen 
und Scharniere sorgfältig durchgeführt und mit reichem gothischen Orna- 
ment verziert ist. Das Visir ist aufgeschlagen, das Gesicht lässt ent- 
schiedene Portraitzüge erkennen, die Augen sind geschlossen, die Wangen 
eingefallen, so dass der Künstler einen Todten darstellt, wie dies etwa 
zur gleichen Zeit in Regensburg das Denkmal des Grafen Warmund von 
Wasserburg in St. Emmeram that. Auch der Grabstein des I472 ge-
        

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