Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422023
Bayerns. 47 
mittelalterliche Kunsthauptstadt 
Regensburg als 
gestorbenen Ulrich von Aue 1) im Domkreuzgang; während dieser schon 
entschieden nach Belebung strebt, zeigt der des 1385 gestorbenen Abtes 
Alto in St. Emmeram, wie leblos selbst noch gegen den Schluss des 
Jahrhunderts, wo die Regensburger Plastik auf ihrer Höhe stand, diese 
Durchschnittsarbeiten waren; etwas individuellere Züge besitzt das Portrait 
des 1395 gestorbenen Abtes Friedrich in St. Emmeram. 
Mit dem Beginn des 15. Jahrhunderts steigert sich diese Produktion 
bedeutend; einige charakteristische Beispiele der Zeit mögen hier namhaft 
gemacht werden: wie der Grabstein des 1440 gestorbenen Kanonikus 
Wolfgang Ebner in der Ulrichskirche, der entschieden Sinn für Charakte- 
ristik zeigt; ebenso besitzt der des 1458 gestorbenen Abtes Hartung in 
St. Emmeram (Osttheil des südlichen Seitenschiffes) scharfe Portraitzüge. 
Eine zwar leider sehr abgetretene, jedoch bessere, derb charakteristische 
Arbeit ist im nördlichen Seitenschiff des Domes der Grabstein des Ka- 
nonikus Nikolaus von Redwitz, der den 15. Januar 1460 gestorben. 
Auch die Grabsteine der Bischöfe besitzen keine höhere künstlerische 
Bedeutung, wie z. B. der des 1465 gestorbenen Bischofs Rupert I.; eine 
wirklich fein durchgeführte Arbeit ist dagegen der des in dem gleichen 
Jahre gestorbenen Abtes Konrad Pebenhauser in St. Emmeram; eine der 
besseren vom Ende des 15. Jahrhunderts, auch schon durch das Kostüm 
von Interesse, der Grabstein der 1481 gestorbenen Frau Beningna von 
Parsperk in der Dominikanerkirche. Eine tüchtige Leistung vom Ende 
des Jahrhunderts ist der Grabstein des 1492 gestorbenen Bischofs Heinrich 
von Absperg, der wahrscheinlich von demselben Meister gefertigt wurde, 
wie der der Aebtissin Kunigunde von Eglofstein, gestorben 1479 in Ober- 
münster, welcher dem neben ihm stehenden Grabstein der Katharina von 
Redwitz (gestorben 1533) offenbar als Vorbild diente und zwar so sehr, 
dass sich der Anschluss bis in die einzelnen F altenmotive verfolgen lässt. 
Von den Grabsteinen des 16. Jahrhunderts, die im Wesentlichen an 
dem mittelalterlichen Stil festhalten, sind die besten in der Dominikaner- 
kirche der des Joerg Schenck von Neideck, gestorben 1504, und der des 
Thomas Fuchs von 1526; bei dem ersteren, entschieden dem weitaus be- 
deutenderen, ist es allerdings sehr fraglich, ob er eine Regensburger 
Arbeit, denn Jörg Gartner, der ihn laut Inschrift ausgeführt, soll sich in 
den Regensburger Urkunden nicht finden 2); dagegen findet sich ein von 
ihm ebenfalls laut Inschrift gefertigter trefflicher Grabstein in der Spital- 
kirche zu Burghausen, und der ganze Charakter der Skulptur Weist ent- 
schieden mehr auf die in dieser Art der Grabplastik den Regensburgern 
weit überlegene Inngruppe, als auf die Regensburger Schule. Auch der 
1) Abgebildet bei Förster: Denkmale deutscher Kunst. 
2) Gütige Mittheilung des Herrn studhhist. F. Ebner. 
III.
        

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