Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1422011
Bayerns. 
Regensburg als mittelalterliche Kunsthauptstadt 
Plastik; in diesen Punkten liegen denn auch vor Allem die bedeutenden 
Errungenschaften der Regensburger Plastik des I4. Jahrhunderts, bei deren 
Studium man am besten von der Grabplastik ausgeht. 
Die Regensburger Grabplastik, die von wesentlichem Einfluss auf 
Charakter und Entwicklung der gesammten Regensburger Skulptur war, 
förderte vor Allem die Bischofstadt. In erster Linie waren es die Kleriker, 
Bischöfe, Aebte, Aebtissinen, Kanoniker u. s. w., die sich die stattlichen 
Marmordenkmale mit ihren Bildnissen bestellten oder denen sie von Ver- 
wandten oder auch durch das Kloster gesetzt wurden. Wie viel von 
diesen Denkmalen zu Grunde gegangen, mag man schon aus den spär- 
lichen Resten erhaltener Bischofgräber erkennen, und doch, obwohl wir 
nur mehr einen kleinen Theil jener Denkmale besitzen, zählen die Steine, 
die dem I4. bis I6. Jahrhundert angehören, noch nach Hunderten. Die 
grosse Masse dieser Grabsteine ist Zeugniss von dem reichen Arbeitsfeld, 
das Regensburg der Plastik bot; aber weniger zeugen diese Grabsteine 
von künstlerischer Vollendung, und es ist durchaus nicht anzunehmen, 
dass, wenn wir fünfmal so viele derselben hätten, wir dadurch ein 
wesentlich anderes Bild der Schule gewinnen würden. 
Am besten studirt man diese Plastik im Domkreuzgang; abgesehen 
von einigen guten Wappensteinen findet sich unter der grossen Masse 
nur sehr wenig künstlerisch Beachtenswerthes, das Meiste sind rein hand- 
werkliche Arbeiten, deren Mehrzahl dem Schluss des I5. und dem I6. 
Jahrhundert angehört; oft bis ins 17. Jahrhundert halten diese Arbeiten 
im Wesentlichen am alten Stil fest. Von Individualitäten der Meister, ja 
selbst einzelner Epochen, ist hier nicht viel zu bemerken, ebensowenig 
natürlich von einer Entwicklung der Portraitplastik, und doch ist ein Blick 
auf diese Masse, für den Detailforscher sogar ein Studium derselben 
nöthig, um ein klares Bild von der Regensburger Plastik der zweiten 
Hälfte des Mittelalters zu gewinnen; denn in den handwerklichen Arbeiten, 
die ja zumal im Mittelalter eine Zeit grossen, künstlerischen Aufschwunges 
stets begleiten und begleiten müssen, spiegelt sich besonders in den 
besseren doch mancher bedeutungsvolle Zug jener Zeit trotz aller Be- 
fangenheit wieder. 
Diese besseren Arbeiten, deren Zahl bis ins I6. Jahrhundert immerhin 
noch bedeutend über hundert beträgt und die wenigstens theilweise künst- 
lerische Intentionen erkennen lassen, stehen zwar auch noch keineswegs 
auf der vollen Höhe der Schule, aber für das Studium derselben gewähren 
sie durch die sichere Datirung eine feste Basis, und die Aufgabe, lebens- 
grosse und überlebensgrosse Portraits zu schaffen, welche hier an den 
Bildhauer herantrat, wirkt entschieden bedeutend auf die Entwicklung des 
Naturalismus, besonders der Individualität. 
Von den Grabsteinen des I4. Jahrhunderts ist der beste der des 1326
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.