Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421984
Bayerns. 
Kunsthauptstadt 
Regensburg als mittelalterliche 
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dige Gegenstücke zu den alten italienischen Palästen erscheinen, zunächst 
zu denen des 14. Jahrhunderts etwa in Verona oder in Lucca. Der Unter- 
schied ist aber doch auch hier ein wesentlicher; während sich bei den 
Italienern in der Halle des Untergeschosses und in der namentlich bei 
grossen Bauten fast hallenartigen Fensteranlage des oberen Stockwerkes, 
besonders aber auch durch die einfachen Gesimse, welche die Stockwerke 
trennen, doch schon der Blick für eine einheitliche, künstlerische Wirkung 
des Gebäudes zeigt, das Detail aber wenig beachtet wird, so fehlt dagegen 
den Regensburger Bauten gerade jener Blick aufs Ganze, während das 
Detail oft von hoher Feinheit und Mannigfaltigkeit ist; die F ensterbögen 
wie die Rippen der Gewölbe sind auf das Eleganteste profilirt, die Thei- 
lungssäulchen der Fenster auch in hohen Stockwerken noch mit dem 
zierlichsten Ornament geschmückt. 
Natürlich lehnt sich auch hier die Kunst des Hauses noch an die der 
Kirche, und desshalb schon sind die Hauskapellen, deren bedeutendere 
mit Ausnahme der aus dem I5. Jahrhundert stammenden Salvatorkapelle 
im weissen Hahn, dem Ende des I3. und dem Anfang des I4. Jahrhunderts 
angehören, architektonisch in der Regel das Interessanteste an dem Hause. 
Vergleicht man dieselben unter einander, so erfreut vor Allem, dass ihnen 
nicht ein bestimmter Typus zu Grunde liegt, sondern jedesmal je nach 
Raum und Bedürfniss etwas Selbständiges geschaffen und dieses liebevoll 
durchgeführt wurde; weder an Reichthum noch Schönheit der Ornamentik 
brauchen zumal die hervorragenderen derselben, wie etwa die Thomas- 
oder die Sigismundskapelle, den Vergleich mit den Kirchen der Zeit zu 
scheuen. 
Das Aeussere des Hauses zieren neben den schon erwähnten Fenstern 
mit ihren Theilungssäulchen zuweilen auch hübsche Consolen, so besonders 
reich mit Köpfen und Unthieren geschmückt an dem Eckhause der 
Wahlengasse E 6, eine grosse Console mit sehr elegant gearbeitetem 
Laubwerk an einem Hause der Tändlergasse. Ein originelles Beispiel 
des Humors, der an solcher Stelle gern sein Spiel treibt, ist die Fratze 
des Alten mit dem Knebelbart, der von einem Affen gebeutelt wird, am 
Erker des Hauses Wahlenstrasse E 23, während an dem Hause der 
Kalmünzergasse H II7 ein Affe mit einem Hund, auf den ein Bär und 
ein Hund losgehen, als Schmuck unter den Fenstern des ersten Stockes 
angebracht sind; als eine hübsche Hauszier der Art mag auch noch das 
spätgothische Wappen E 19 erwähnt werden. 
Im I4. Jahrhundert, noch mehr im I5. und im Beginn des I6. jahr- 
getrennte Einfahrtshalle in der unteren Bachgasse B 93; sehr merkwürdig sind zwei Fenster 
an dem Eckhause des Haidplatzes und der rothen Hahnengasse aus dem 15. Jahrhundert. 
welche genau die bei den venezianischen Bauten üblichen geschweiften Bogen zeigen.
        

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