Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421951
Regensburg 
Kunsthauptstadt Bayerns. 
mittelalterliche 
die schönen, grossen Verhältnisse, bei der Dominikanerkirche namentlich 
auch durch die Beleuchtung mittels des stattlichen Westfensters. 
Im entschiedenen Gegensatz zu diesen beiden Bettelorden-Kirchen 
strebt der Dom als Hauptkirche eines mächtigen Sprengels, als das be- 
deutendste Kunstwerk der stolzen Reichsstadt, gerade die reichen, glän- 
zenden Effekte des gothischen Stiles zu verwerthen und ist so recht ein 
Werk bayerischer Kunst, als deren bedeutendste architektonische Leistung 
im Mittelalter er bezeichnet werden muss. 
Am Vorabend des Georgstages 1275 wurde durch Bischof Leo den 
Thundorfer der Grundstein zum Neubau des Domes gelegt und im 
13. Jahrhundert wohl die Chorpartie ausgeführt, deren älteste Theile sich 
im Chor des südlichen Seitenschiffes finden; von 1309 ab blieb der Bau 
durch fünfzehn Jahre liegen, wurde dann aber bis in den Beginn des 
I5. Jahrhunderts fortgeführt. Dieser Zeit gehört das Lang- und Querhaus 
auch zumeist deren Ausstattung an, sowie auch die Anlage und der Be- 
ginn der Ausführung der Westfagade, während deren weitere Durchführung 
aus der dritten Bauperiode im 15. Jahrhundert, einzelne Details der West- 
fagade erst aus dem 16., einige Skulpturen sogar erst aus dem 17. Jahr- 
hundert stammen. 1834-1838 wurde der Dorn restaurirt, 1859-1869 
durch Denziger vollendet, indem die Thürme und der Giebel des südlichen 
Querschiffes ausgebaut wurden. 
Um die Geschichte des Dombaues gruppirt sich die kunstgeschicht- 
liche Entwicklung der Stadt; ihre einzelnen Epochen werden durch jene 
begründet und die grosse Blüthe der Regensburger Skulptur zeigt sich 
mit am bedeutendsten in der plastischen Ausschmückung des Domes. 
Auch der Einfluss der Regensburger Architektur auf die Umgegend ging 
in erster Linie vom Dombau aus: so entstand 2. 15., wohl von der Regens- 
burger Bauhütte ausgeführt, im 14. Jahrhundert die Kirche zu Nabburg, 
deren Pfarre zum Regensburger Domkapitel gehörte, als einer der be- 
deutendsten und harmonischsten gothischen Bauten in Bayern; der Einfluss 
des Domes auf Amberg und andere Orte war von entschiedener Bedeutung. 
Besonders interessant aber erscheint der auf den Ostbau von St. Lorenz 
in Nürnberg. 
Ich bezeichnete den Regensburger Dom als den bedeutendsten Aus- 
spruch bayerischen Wesens in der kirchlichen Baukunst des Mittelalters. 
Dass er dieses grosse Ziel erreicht, war nur dadurch möglich, dass der 
oder richtiger gesagt die Meister, welche den Entwurf und die Ausführung 
des Werkes bestimmten, über die lokale Schule hinausgriffen, die grossen 
internationalen Fortschritte der Baukunst jener Zeit sich zu Nutzen machten, 
dass sie Werke der französischen Architektur, die damals an der Spitze 
der baulichen Entwicklung stand und wohl auch der in den westlichen 
Gegenden schon so bedeutsam erblühenden deutschen Gothik studirten.
        

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