Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421937
38 Regensburg als mittelalterliche Kunsthauptstadt Bayerns. 
Eingang, der Uebergangsstil echt 
in dem eine Reihe der herrlichsten 
volksthümliche Verbreitung fand, 
Bauten jener Gegenden ausgeführt 
wurden. 
Die weitgehenden Verbindungen der Grossstadt ermöglichten es auch 
Regensburg, sich an diesem Umschwung der Architektur zu betheiligen, 
und bei dem Studium der Denkmale der Mitte und zweiten Hälfte des 
I3. Jahrhunderts gehört es zu dem Interessantesten, einerseits das all- 
mähliche Eindringen, andererseits wie namentlich bei den Kirchen der 
Bettelorden den direkten Import des ausgebildeten gothischen Systems 
zu beobachten. 
Im Kreuzgang von St. Emmeram, der in seinem reichen ornamentalen 
Detail vielfach noch romanische Elemente mit frühgothischen mischt, 
aber bis zu voller Ausbildung der Gothik fortschreitet und dessen Bau 
wohl von der Mitte bis gegen den Schluss des I 3. Jahrhunderts währte, 
lässt sich die allmähliche Veränderung des ornamentalen Schmuckes auf 
das Feinste verfolgen. 
Um die Mitte des I3. Jahrhunderts entstand St. Ulrich, ein bedeu- 
tender Bau, der starken, wohl direkten Einfluss nordfranzösischer Gothik 
bekundet. Die Kirche ist dreischifllg; über den Seitenschiffen sind bei 
selbständiger Beleuchtung des Mittelschiffes, ebenso wie an der West- 
und Ostseite Emporen angebracht. Die Anlage besitzt dadurch, dass sie 
unter den gleichen Einflüssen wie jene Gruppe von Bauten entstand, 
deren bedeutendster Vertreter der Dom zu Limburg an der Lahn, manches 
Verwandte mit jenen; aber sie zeigt auch, wie ja alle Regensburger 
Bauten, viel Selbständiges. So vor Allem schon die Disposition der Kirche 
durch die ausserordentliche Breite des Mittelschiffes, die 43 Fuss beträgt 
bei einer Länge von nur 53 Fuss, während z. B. bei Limburg das Ver- 
hältniss 25 : 80 Fuss ist; diese ausserordentliche Breite war wohl auch die 
Ursache der Flachdecke des Mittelschiffs. Die Oeffnung der Emporen 
nach dem Mittelschiff ist bei den rheinischen Bauten, ebenso wie bei den 
nordfranzösischen architektonisch selbständig durchgebildet, was jedenfalls 
von feinerern architektonischen Gefühl zeugt als St. Ulrich, wo die Em- 
poren nur in die Arkadenbögen eingebaut erscheinen. 
Für die Skulptur dieser Zeit interessant ist das südliche Portal von 
St. Ulrich, dessen Tympanon das Brustbild des lehrenden Christus zeigt, 
in einem Tuch schwebend, das von zwei Engeln gehalten wird. In der 
besseren Rundung des Reliefs, der guten Bewegung der lliegenden Engel, 
dem Beobachten mancher feinen Züge, z. B. im Antlitz Christi, zeigt sich 
gegenüber den Skulpturen am Schottenportal entschieden der Fortschritt 
zu einer freieren Kunst, wofür auch die Männchen an den Consolen recht 
charakteristisch sind, die sich mit dem Tragen des Thürbalkens gewaltig 
anstrengen.
        

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