Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421915
36 Regensburg als mittelalterliche Kunsthauptstadt Bayerns. 
 
Maria bei der Kreuzigungsgruppe (der Christus ist modern) auf dem Hoch- 
altare von St. Jakob. Bei den Figuren wird ein freies Hervortreten 
einzelner Körpertheile nicht gewagt; nur in der Haltung der Köpfe zeigt 
sich einiges Leben: Maria senkt ihn leise nach vorne, Johannes stützt 
seinen Kopf mit der Rechten. Eine wenig bedeutende Arbeit aus dem 
I2. oder Anfang des I3. Jahrhunderts ist der Gekreuzigte auf dem Hoch- 
altar der hl. Kreuzkirche; weit bedeutender die lebensgrosse Gestalt des 
Gekreuzigten aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im südlichen 
Seitenschiff von St. Jakob, in der sich in der Haltung des Körpers, be- 
sonders auch der Beine, ein entschiedenes Streben nach lebensvoller Auf- 
fassung zeigt. 
Die selten reichen Denkmale der Kunst der romanischen Stilperiode, 
die uns schon beim ersten Blick auf Regensburg bedeutsam entgegen- 
treten, bilden einen wesentlichen Grundzug in dem interessanten Bilde 
der Stadt; jeder, auch der Hüchtigste Besucher wird sie als einen maass- 
gebenden Theil der Kunstschätze derselben erkennen. Sie interessiren 
durch ihr hohes Alter, durch ihre weittragende, geschichtliche Bedeutung 
und erfreuen vor Allem, wenn wir betrachten, wie sich eine selbständige 
Kunst, lernend an fremder, rasch zu eigenartigem, frischem Leben ent- 
wickelt. 
Das mittelalterliche Stadtbild, das Regensburg, wie ich Eingangs zu 
zeigen versuchte, heute noch bietet, wird aber im Wesentlichen nicht 
durch die romanische, sondern durch die gothische Stilperiode, die Kunst 
der zweiten Hälfte des Mittelalters bedingt. Der gothische Dom bildet 
dessen Mittelpunkt, und neben ihm ragen vor Allem die stattliche Domini- 
kaner- und Minoritenkirche aus der Häusermasse; sie zeugen durch ihre 
grossartige Anlage von der Steigerung des künstlerischen Lebens in dieser 
Zeit, und das Aeussere des Domes weist darauf hin, wie man jetzt auch 
das Aeussere der Kirche mit grösster Sorgfalt bis ins kleinste Detail 
durchführt, eine noch reichere, elegantere Dekoration anwendet, als bei 
den Bauten am Schluss der vorausgehenden Periode. 
Aber nicht nur Kirchen, sondern auch das Stadtthor, die Thürme 
des Rathhauses und der stattlichen Geschlechterhäuser gehören dieser 
zweiten Blüthe der mittelalterlichen Kunst Regensburgs an, die haupt- 
sächlich in den Schluss des I3. und in das I4. Jahrhundert fällt. Nicht 
nur einzelne grosse Denkmale wie aus der romanischen Periode sind in 
Regensburg aus der gothischen erhalten, sondern, wie gesagt, eine ganze 
Stadt, die künstlerisch nicht minder anziehend als historisch. 
Um den Dom gruppirt sich die Stadt und ebenso ihr gesammtes 
Kunstleben; dass dieses jetzt aber, wenn es auch in der gothischen Periode
        

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