Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421900
Kunsthauptstadt 
Regensburg als mittelalterliche 
Bayerns. 
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Skulptur hat etwas Sporadisches, bildet nicht den direkten Ausgang einer 
allgemeinen Anwendung der Plastik, wie die Skulptur des I2. Jahrhunderts. 
So auch das historisch hochinteressante Werk, das Regensburg aus der 
Mitte des II. Jahrhunderts in den Steinfiguren am Nordportale von St. 
Emmeram besitzt: Christus, Dionysius und St. Emmeram. Die Figuren 
gehören schon dadurch, dass sie sicher datirt durch die Inschrift unter 
den Füssen Christi, die besagt, dass sie Abt Reginward (1049-1061) 
fertigen liess, sowie als einer der frühesten Versuche der Steinplastik 
grösseren Stils zu den merkwürdigsten Denkmalen der Art in Deutsch- 
land, Der Stil ist natürlich äusserst befangen, eine feine Durchbildung 
gar nicht versucht, der Blick fürs Detail besonders in den Köpfen fehlt 
noch gänzlich, die Haltung ist steif, das Gewand liegt eng an, die Falten 
sind nur in den Hauptlinien, Alles natürlich recht schematisch angegeben; 
aber die verschiedene Haltung der Hand, die Bewegung der Köpfe bei 
den Heiligen zeigen, wie doch der Wunsch nach lebensvoller Darstellung 
in dem Steinmetzen steckt, wie dieser Stil dem der byzantinischen Kunst, 
mit der man ihn früher irrthümlich zusammengeworfen, in seinem eigensten 
Wesen gerade entgegengesetzt ist. Beiden gemein ist allerdings das 
Steife und Schematische, aber aus ganz verschiedenen Ursachen; während 
es bei den Byzantinern das Erstarren einer senilen Kunst, so gründet es 
hier in dem ängstlich Befangenen einer noch kindlichen Kunst; analog 
der Antike könnte man diesen Stil den streng archaischen nennen. 
Gerade das freiere Leben in der Plastik wird mächtig durch jene 
Dekoration der Bauten des I2. Jahrhunderts gefördert, und dadurch sehen 
wir dann einen grossartigen Fortschritt, wenn wir etwa den wohl um 1200 
entstandenen, segnenden Christus aus Reichenbach (bayerisches National- 
Museum), das der Regensburger Kunstzone zugerechnet werden muss, 
mit jenem an St. Emmeram vergleichen. Dieser Christus wagt es, den 
Kopf frei zu erheben; die Figur ist nicht mehr in das Gewand einge- 
wickelt, so dass jede Bewegung gehemmt; der Mantel ist ihr nur umgelegt 
und folgt der Bewegung; Arme und Hände lösen sich vom Körper; die 
Körperformen scheinen durch das Gewand hindurch; der Kopf ist sorg- 
faltig modellirt; auch Füsse und Hände sind weit besser durchgebildet. 
Der Reichenbacher Christus weist uns aber zugleich auf eine für die Ge- 
schichte der Plastik höchst bedeutende Aenderung in der Verwerthung 
derselben etwa seit 1200; denn die fast lebensgrosse Figur zeigt auf den 
ersten Blick, dass sich die Plastik hier aus jener dekorativen, der Archi- 
tektur dienenden Stellung zu selbständiger Bedeutung emporgerungen. 
Der ersten Hälfte des I3. Jahrhunderts gehören einige Werke der 
Holzplastik an, die, weil wahrhaft volksthümlich, von besonderer Be- 
deutung für die Entwicklung der deutschen Skulptur. So die fast lebens- 
grossen, aus je einem Klotz geschnitzten Gestalten von Johannes und 
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