Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421852
mittelalterliche 
Regensburg als 
Kunsthauptstadt 
Bayerns. 
Leonhardskirche in Regensburg mag mit diesem Bau in Zusammenhang 
gebracht werden, und die Möglichkeit wenigstens ist vorhanden, dass er 
die Anlage der nach 1143 erbauten, bedeutenden Kirche von Walderbach 
in der Oberpfalz beeinflusste. 
Im Gegensatz hierzu ist die 1109-1119 ausgeführte, von Otto von 
Bamberg begründete und mit Mönchen aus Hirsau besetzte Kirche des 
Klosters Prüfening eine halbe Stunde westlich von Regensburg, die das 
einfache Schema besitzt, das den meisten Kirchen dieser Kongregation 
eigen, von grösstem Einfluss auf die Entwicklung der Baukunst der ganzen 
Umgegend. Mit ihr steht zunächt in Zusammenhang die 1125-1133 
erbaute Kirche des Klosters Biburg, ferner die von Münchsmünster an 
der Donau, die einst ein sehr bedeutendes Portal, das wichtigste Seiten- 
stück desjenigen von St. Jakob in Regensburg, besass 1). Um diese be- 
deutenden Klosterkirchen gruppiren sich dann die im I2. und im Beginne 
des 13. Jahrhunderts entstandenen Dorfkirchen von Pfoering, Tollbath, 
hVeissendorf, 'Ainau, Goecking, Klein- und Gross-Mehring, Manching, 
Niederstimm und Oberndorf. Wie hier das Donauthal hinauf nach Westen, 
so lässt sich auch nach den anderen Himmelsrichtungen der mächtige 
Einfluss dieses Aufschwunges der Regensburger Baukunst durch das ganze 
Land verfolgen. 
Aber nicht nur durch das volksthümliche Verbreiten, das so grund- 
legend für die Hebung der ganzen Kultur, zeigt die Baukunst des 12. Jahr- 
hunderts einen grossen Fortschritt gegenüber der des elften, sondern vor 
Allem auch dadurch, dass sie gegenüber jenen schlichten Bauten eine 
reichere, künstlerische Durchbildung des Innern, dann auch des Aeusseren 
erstrebt. Die bayerische Baukunst hat zumal in der Dekoration vielfach 
Bedeutendes und Originelles geleistet, und glücklicherweise blieb der 
wichtigste Zeuge dieser Bestrebungen in Regensburg selbst, die Kirche 
von St. Jakob gut erhalten, während bei den meisten der Kirchen ausser- 
halb der Stadt wie Prül, Prüfening, Biburg, Münchsmünster nur spärliche 
Reste der ehedem reichen Dekoration erhalten sind, von deren Fülle und 
Originalität an den bayerischen Bauten dieser Zeit vor Allem die hoch- 
interessante Sammlung romanischer Skulpturen und architektonischer 
Fragmente im ersten Saale des bayerischen National-Museums zeugt. 
Auch in Regensburg selbst zeigt sich schon seit dem Anfang des 
12. Jahrhunderts, zunächst im Zusammenhang mit der Kirche von Prüfe- 
ning, jener Umschwung der Baukunst durch den Umbau der alten Kapelle 
und den nach 1152 ausgeführten Neubau von Niedermünster, während für 
1) Abbildung desselben bei Anton Nagel: Notitiae origines domus boicae. Das Portal, 
jetzt am Kirchhofe-in Landshut eingemauert, die sonst noch erhaltenen Details, die zumeist 
aus dem Anfang. des I 3. Jahrhunderts llerrühren, wurden in neuester Zeit von dem bayerischen-l 
National-Museum erworben.
        

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