Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421834
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Bayerns. 
Regensburg als mittelalterliche Kunsthauptstadt 
der Kirchen, wie in denen der Fürsten zahlreich vertreten waren und 
häufig unseren Künstlern direkt als Vorlage dienten. 
So schreitet hier ähnlich wie in der Architektur die Regensburger 
Kunst vorwärts, dadurch, dass sie an älterer, überlegener Kunst lernt; das 
Gegebene verarbeitet sie aber selbständig, denn das ganze Wesen der 
deutschen Kunst am Ende des I0. und in der ersten Hälfte des II. Jahr- 
hunderts ist eben so verschieden von dem der karolingischen, wie von 
dem der byzantinischen Kunst. Wie in der Architektur das Kunstleben 
Regensburgs weithin befruchtend wirkte, so auch in der Malerei. Die 
bedeutende Miniaturmalerei der bayerischen Klöster jener Zeit erhielt 
offenbar ihre Wichtigsten Impulse von Regensburg, und die Bamberger 
Malerei der nächstfolgenden Periode, für deren Bearbeitung ein sehr be- 
achtenswerthes Material vorliegt, kann in gewissem Sinne als eine Fort- 
setzung jener Regensburger Schule angesehen werden. 
Zeigte sich bei den bisher besprochenen Kunstwerken vor Allern der 
fürstliche Hof als Förderer der Kunstentwicklting Regensburgs, so weisen 
andere auf den bischöflichen hin. Von dem romanischen Dom, der hier 
in erster Linie in Betracht zu ziehen wäre, hat sich leider in Folge des 
grossartigen gothischen Neubaues der Kathedrale keine Spur mehr er- 
halten, aber gleich in nächster Nähe des Domes neben dessen Kreuzgang 
besitzen wir in St. Stephan ein Bauwerk, das wohl als I-lofkapelle für 
den Bischof diente und interessant erscheint durch den Einfluss, den es 
auf Privatkapellen in Regensburg und Umgebung übte 1). 
St. Stephan mit seinen eigenartigen Wandnischen gehört wahrschein- 
lich in den Beginn des II. Jahrhunderts; die westlich gelegene Empore 
und das Schiff hatten jedes einen gesonderten Eingang von der Westseite 
aus, wo wohl der bischöfliche Palast anstiess; im I2. Jahrhundert wurde 
der Bau überwölbt und erhielt das Portal auf der Südseite, durch das wir 
ihn heute vom Kreuzgang aus betreten. In dieser Gestalt, die St. Stephan 
im Beginn des I2. Jahrhunderts erhalten, diente es wohl als Vorbild für 
die Schlosskapellen, von Kreuzhof eine Stunde östlich, Schönfeld einen 
halben Tagemarsch nordöstlich und Hof einen guten halben Tagemarsch 
nördlich von Regensburg, im Wesentlichen denselben Typus aber mit der 
eleganten Dekoration der Mitte des I3. Jahrhunderts, zeigt die Gallus- 
kapelle eine der interessantesten Hauskapellen Regensburgs 2). 
Ein beachtenswerther, für den bischöflichen Hof ausgeführter Bau 
ist auch die ebenfalls am Domkreuzgang gelegene Allerheiligenkapelle, 
1) Berthold Riehl: Beiträge zur Geschichte der romanischen Baukunst im bayerischen 
Donauthal. Repertorium für Kunstwisseimschaft. XIV. 5. 
z) Ueber die Regensburger Hauskapellen, Geschlechterhäuser, Höfe und das Haus 
zum Goliath, siehe die tüchtigen Publikationen von C. T11. Pohlig in Lützows Zeitschrift 
1889 ff.
        

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