Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421819
Kunsthauptstadt 
38  Regensburg als mittelalterliche 
Bayerns. 
land wirkte, zeigt besonders klar die bayerische Miniaturmalerei. Zur 
Zeit Heinrichs II. war sie in Regensburg, wo ihr die Anregungen fremder 
Kunst zu Gebot standen, um daran zu lernen, offenbar in hoher Blüthe, 
und eine Reihe von Handschriften aus entlegenen bayerischen Klöstern 
zeigen 1), wie das ganze Land theilnahm an dem künstlerischen Aufschwung 
der Hauptstadt. 
Auf die maassgebende Verbindung mit älteren Kulturorten weist für 
die Miniaturmalerei dieser Zeit vor Allem die Sammlung der Handschriften 
hin, mit denen Heinrich II. die Bibliothek von Bamberg ausstatteteg). 
Den bedeutendsten Beitrag scheint auch hier Italien geliefert zu haben, 
dann aber auch die Klöster, die an der Spitze der karolingischen Kunst- 
übung standen, wie Tours und St. Gallen; ferner lieferten auch bayerische 
Klöster Beiträge zu dieser Bibliothek; in dem Kloster des Abtes Gerhard 
von Seeon liess Heinrich die Abschrift von St. Benedikts und St. Ko- 
lumbans Klosterregeln, sowie das sogenannte Martyrologium des hl. Beda 
herstellen. Auch die Regensburger Klöster waren für den Kaiser thätig, 
denn in St. Emmeram wurde zwischen 1002 und 1014 für den Kaiser das 
grosse Missale (cod. cim. 60. lat. 4456 der Münchner Staatsbibliothek) 
hergestellt, und in der Bibliothek des Klosters Michelsberg in Bamberg 
stammte die Ordensregel des hl. Benedikt (Ed. II. II der Bamberger 
Bibliothek) aus Niedermünster in Regensburg, wo sie unter der Aebtissin 
Uota geschrieben wurde; in diesem Kloster entstand gleichzeitig ein sehr 
bedeutendes Evangeliar, das in die Münchner Bibliothek kam (cim. 54 
lat. 13601). 
Wenn wir die beiden ungefähr gleichzeitigen Handschriften in München, 
die in Regensburg entstanden, das Missale und das Evangeliar der Uota 
vergleichen, so finden wir die für das damalige Kunstleben Regensburgs 
interessante Thatsache, dass sie zwei verschiedene Richtungen erkennen 
lassen. Das Missale ist das Werk eines vorzüglich geschulten Künstlers, 
der die Technik, wie sie sich in den für die Ottonen gefertigten Pracht- 
handschriften entwickelt hatte, völlig beherrscht; das Vorbild aber, an das 
er sich wiederholt eng anschliesst, ist der seit Arnulfs Tagen in St. Emme- 
ram verwahrte Codex aureus Karls des Kahlen, so dass er im Wesentlichen 
an die karolingische Kunst anknüpft. Ganz selbständig erscheint der 
Maler in den Figurenbildern und Initialen; in den Randleisten dagegen 
und auch in dem zweiten Dedikationsbilde lässt sich der Anschluss an 
das Vorbild bis in das Einzelste nachweisen, jedoch ist er auch hier in 
 
1) Berthold Riehl: Zur bayerischen Kunstgeschichte. I. Die ältesten Denkmale der 
Malerei. Stuttgart 1885.  
2) Giesebrecht: Geschichte der deutschen Kaiserzeit II. Bd. Leitschull: Führer durch 
die kgl. Bibliothek zu Bamberg. 1889. p. 38 u. ff.
        

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