Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424383
Peter Paul Rubens. 
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wovon sich die beiden Hauptwerke im Louvre und in der Madrider 
Galerie befinden. Der Gipfel aller Ausgelassenheit, der tolle Reigen, der 
im wilden Sturm umherwirbelt, die Kraftfülle dieser Menschen, das war 
es, was Rubens am meisten freute; schreiend und johlend reissen sich die 
Paare umher; in der zügellos sich äussernden Lebenskraft hat kein 
Genremaler Rubens erreicht, geschweige denn überboten. 
Aber auch das lustige Treiben der feineren Gesellschaft, die sich im 
Park, von jedem Zwang befreit, ganz ihren frohen Gefühlen hingeben kann, 
gefiel dem Künstler, der auch noch in späten Lebenstagen, ja, wie es 
scheint, im Anblick seiner schönen jungen Gattin sogar gerade in diesen, 
sich an jugendlicher Fröhlichkeit auf das Höchste ergötzte. Bei den 
jugendlichen Paaren im Vordergrunde seines Schlossparkes (Wien k. Ge- 
mälde-Galerie) geht es schon recht lustig her; das Köstlichste in dieser 
Beziehung aber bietet doch der Liebesgarten, von dem sich ein Original 
in Madrid und wahrscheinlich die Wiederholung eines zweiten Originales 
in Dresden 1) befindet. Reizend sind hier die mannigfaltigen Charaktere 
die sich, wie das nun einmal so in der Liebe geht, in den Extremen 
gefühlvoller Schwärmerei und toller Ausgelassenheit bewegen; wunderbar 
ist daneben der köstliche, feine Humor des Künstlers, vor Allem in den 
reizenden Putten. 
Mehr noch als seine Sittenbilder geben uns die Portraits von Rubens 
ein Bild des Lebens der feineren Gesellschaft seiner Zeit. Die Kunst der 
südlichen Niederlande hatte sich mit diesem Fache seit dem Beginn der 
Tafelmalerei, seit den van Eyck, in hervorragender Weise beschäftigt, und 
im I6. Jahrhundert hatten Joas van Cleve, Anthonis Moor und Andere hier 
Rubens Auftreten mehr als in anderen Gattungen vorbereitet; Tizian bot 
ihm auch auf diesem Gebiete die wesentlichsten Anregungen; aber gerade 
der Vergleich mit diesem zeigt wieder, wie völlig selbständig Rubens 
auch hier gewesen. Wenn Rubens bedeutendster Schüler und Nachfolger, 
Anthonis van Dyck, der bei einer Parallele Beider mehr noch durch die 
Gegensätze zu seinem Lehrer als durch das Verwandte mit ihm interessirt, 
in seinen Portraits vor Allem durch die Feinheit der Charakteristik fesselt, 
so ist es im Gegensatz dazu bei Rubens das Lebensvolle, das Frische, 
Gesunde und Freudige, was seinen Portraits den eigensten Reiz verleiht. 
In ungetrübtem Glanze steht Rubens als Künstler und Mensch vor 
unserem geistigen Auge. Sein klarer Sinn, der auch den praktischen 
Verhältnissen in gesunder Weise Rechnung trug, sein edler Charakter, 
der sich besonders in seiner diplomatischen Thatigkeit zeigte, durch das 
Streben nach Frieden, den Wunsch, so viel als möglich zum Nutzen 
seiner Mitmenschen zu Wirken, das Glück, das ihm so hold, gestalten das 
NVoermann  
Geschichte der Malerei.
        

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