Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424341
Peter Paul Rubens. 
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sam folgt er der grässlichen Furie, die mit der Brandfackel vor ihm 
schwebt, ihn in das nächtliche, nur durch das Zucken der Blitze 
erhellte Dunkel führt. Die Künste, die Musik und Poesie, ein schönes 
Weib mit einer Laute, die Architektur, ein Mann mit einem Zirkel in 
der Hand, neben dem ein Kapital liegt, werden durch die Wucht des 
Ansturmes des wilden Kriegers zu Boden geworfen; wehklagend flüchtet 
sich die Mutter mit ihrem Kinde. Nichts vermag den Wüthenden zurück- 
zuhalten; selbst nicht die Bitten des herrlichsten Weibes, das sich lieb- 
kosend an ihn schmiegt; er wendet sich zwar nach ihr zurück, aber sie 
kann sein Stürmen nicht aufhalten; der Köcher des kleinen, reizenden 
Amor, der in ihre Bitte einstimmt, ist zu Boden gefallen, die Pfeile sind 
ausgeleert. So wenig wie die Bitten des schönen Weibes bewegt ihn 
die laute Klage der Frau, die hinter jener aus der Thür eines Palastes 
tritt; die Arme erhebend ruft sie die Hülfe des Himmels an. 
Rubens schreibt selbst über diese Frau an den in Florenz weilenden 
Maler Sustermanns: rJene schmerzerfullte Frau in schwarzem Gewande, 
mit zerrissenem Schleier, aller Juwelen, alles Schmuckes beraubt, ist das 
unglückliche Europa, welches schon so viele Jahre Raub, Schmach und 
Elend erleidet, von denen jeder Einzelne so schmerzlich berührt wird, 
dass es nicht nöthig, dies näher zu schildernm 
Neben diese Allegorien, die den Schrecken, aber auch das Gewaltige 
und Grossartige des Krieges darstellen, treten versöhnend die Verherr- 
lichungen des Friedens, die Schilderungen eines heiteren Daseins, die 
Rubens lebensfrische und lebensfrohe Art auf das Liebenswürdigste aus- 
sprechen, die so erfreuliche Gegenstücke zu jenen gewaltigen, dramatischen 
Werken des Meisters. Wir schwelgen hier in frohem Geniessen der herr- 
lichen Farben, der wohligen Formen; neben den Segnungen des Friedens 
gehören hierher zunächst jene prächtigen Idylle, wie z. B. die vier Welt- 
theile (Wien k. Gemälde-Galerie), wo die schönen göttlichen Gestalten 
aus allen vier Welttheilen durch Liebe vereint in friedlichem Glück zu- 
sammensitzen,wo die reizenden Kinder harmlos mit dem Krokodil spielen 
und selbst die Tigerin, wenn sie auch dem Krokodil die Zähne weist, doch 
vor Allem als die liebende Mutter erscheint, dadurch dass sie eben ihren 
höchst possirlichen, reizend der Natur abgelauschten Jungen die Nahrung 
reicht. Zu dieser Gruppe gehören auch die herrlichen Kinderbilder des 
Rubens, wo die glänzenden Augen der Kleinen von ihrem unbewussten 
Glücke erzählen; das Glück aber steigert Rubens bis zum höchsten Jubel, 
ja zum ausgelassensten Taumel der Freude in seinem prächtigen Venus- 
fest (Wien k. Gemälde-Galerie), das charakteristischer Weise etwa der 
gleichen Zeit angehört, wie der entsetzliche Kindermord zu Bethlehem. 
Den Gegensatz der friedlich heiteren Weise und der gewaltigen, 
grossartig dramatischen Auffassung zeigt Rubens auch in der Landschaft.
        

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