Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424339
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Peter Paul Rubens. 
Nicht durch die einfache Schilderung des Vorganges, wie bei den 
oben besprochenen Historienbildern, sucht Rubens die Bedeutung des 
Ereignisses darzustellen, sondern durch die Beigabe einer Fülle allegorischer 
Gestalten, die zwar an sich recht schön, deren Verbindung mit dem 
realen Leben aber doch stets wenig geschmackvoll, die ein AusHuss der 
gelehrten, höflschen Kunst ist. Rubens, der in seinen übrigen historischen 
Bildern derartigen Beigaben in der Regel ganz aus dem Wege geht, 
machte hier offenbar der Mode wesentliche Koncessionen. Wie weit 
specielle Wünsche seitens des Hofes zu jener Verbindung von Allegorie 
und Geschichte führten, wissen wir bis jetzt nicht, wahrscheinlich ist mir 
jedoch, dass solche von wesentlichem EinHuss auf die Art waren, wie 
Rubens seine Aufgabe erfasste; auch muss beachtet werden, dass manche 
der ja sicher gegebenen Themen so unbedeutend sind, dass sie eines 
solchen Aufputzes unbedingt bedurften, um irgend ein künstlerisches 
Interesse zu gewinnen. 
Ganz anders entfaltet sich Rubens Kraft, wo er ein wirklich bedeu- 
tendes Ereigniss darzustellen hat, wie in der zwischen 1626 und 1630 
begonnenen Fortsetzung des Cyklus, welcher die Thaten Heinrich IV. 
behandeln sollte. Was Rubens hier erstrebte, lassen die beiden gross- 
artigen Entwürfe 1) in den Uffizien erkennen, der Einzug Heinrich IV. in 
Paris, und besonders die Schlacht bei Ivry, In dem letzteren Bilde zumal 
hatte Rubens einen Vorwurf, dessen eigene Bedeutung ihn fesselte. Das 
Allegorische tritt daher wesentlich zurück; das grossartige Schlachtenbild 
zeigt eine so gewaltige Auffassung, eine solche Wucht der Aktion, eine 
so unübertreffliche Freiheit des Vortrags, dass es entschieden zu den 
höchsten Leistungen Rubensscher Kunst, ja unbedingt zu den grossartigsten 
der gesammten Historienmalerei gerechnet werden muss. 
Wenn es uns heute schwer fällt, jene Verbindung von Geschichte und 
Allegorie, wie sie der Medici-Cyklus zeigt, zu geniessen, wenn wir darin 
eine Koncession von Rubens, sei es freiwillig oder durch den Auftrag- 
geber dazu genöthigt, an den Modegeschmack erkennen, so gehören da- 
gegen eine Reihe seiner eigentlichen Allegorien, in denen er auf rein 
idealem Boden grosse Begriffe lebensvoll und ergreifend künstlerisch ge- 
staltet, zu seinen herrlichsten Schöpfungen. So vor Allem, wenn wir 
anknüpfend an die Schlacht bei Ivry auch hier den Maler des Kriegs ins 
Auge fassen, seine Allegorie des Krieges in der Galerie Pitti, die er 1638 
für den Grossherzog von Toskana malte. 
Wüthend stürzt in der Mitte des Bildes der wettergebräunte, mächtige 
Krieger vorwärts, mit der Linken sich durch den erhobenen Schild 
deckend, in der Rechten das gezückte, bluttriefende Schwert. Unaufhalt- 
1) Sie sind in 
Originals angelegt, 
der Grösse 
untermalt. 
jedoch nur
        

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