Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche und italienische Kunstcharaktere
Person:
Riehl, Berthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1421254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424310
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Peter Paul Rubens. 
thun, als darum, die eigenartige Grösse eines geschichtlichen Ereignisses 
lebendig darzustellen. Soweit aber das Beiwerk, für dessen Kenntniss 
seine Zeit ja doch nur über beschränkte Hulfsrnittel verfügte, die Zeit 
zu charakterisiren vermochte, in der sich der Vorgang abspielt, weiss er 
es stets zu verwerthen. 
Rubens bleibt bei seiner historischen Kunst aber keineswegs bei den 
biblischen Erzählungen stehen, sondern greift auch antike Stoffe auf und 
stellt Ereignisse seiner Zeit dar, ja im Graf von Habsburg beschäftigt 
ihn sogar ein mittelalterlicher Vorwurf, was sonst jener Zeit gewiss am 
fernsten lag. Dass Rubens die italienische Kunst auch auf diesem Gebiete 
bedeutende Anregung bot, ist sicher; wir wissen, dass er Leonardo's 
Anghiari-, _Tizian's Cadore-Schlacht s.tudirt hatte, aber seine ganze 
Auffassung ist hier ebenso frei und persönlich wie in allen anderen 
Gattungen.  
Rubens' Auffassung der Antike trägt ein scharf persönliches Gepräge; 
es ist dies natürlich bei jedem Künstler der Fall, der eine längst ver- 
Hossene Periode mit ganzer Wärme erfasst, sie wirklich lebensvoll künst- 
lerisch gestaltet, ebenso natürlich, wie die subjektive Auffassung im 
Portrait, die sich gerade bei den bedeutendsten Künstlern am klarsten 
zeigt, hier gerade am deutlichsten erkennen lässt, wie wir neben dem 
Charakter der dargestellten Person stets auch ein gutes Stück desjenigen 
des Künstlers vor uns haben. 
Wie die italienischen Künstler des I 5. und I6, Jahrhunderts, schafft 
sich Rubens in der Antike seine eigene Welt, und dadurch kann er gerade 
hier seine künstlerischen Intentionen mit vollster Freiheit verfolgen, Wer 
Rubens' herrliche weibliche Gestalten, seine kraftvollen Männer, die volle 
Pracht seiner Farben bewundern will, wird sich in erster Linie an der- 
artige Bilder halten; ich erinnere nur an den Raub der Töchter des 
Leukippus (München), an das Urtheil des Paris (Madrid), oder, indem wir 
ein anderes Gebiet streifen, an seine farbenglühenden Bacchanalien, die 
zugleich so prächtige Zeugnisse seines gesunden Humors; für den Historien- 
maler aber sind vor Allem charakteristisch die nach seinen Entwürfen 
ausgeführten Darstellungen aus der Geschichte des Decius Mus (Lichten- 
stein-Galerie Wien) als das umfassendste, die Amazonenschlacht (München) 
aber als das wohl künstlerisch vollendetste Werk dieser Art. 
Die Komposition der Amazonenschlacht zeigt mit der vollen, Rubens 
eigenen Freiheit die herrlichste einheitliche Wirkung verbunden. Der 
Kampf gipfelt im Mittelgrunde des Bildes auf der Höhe der Brücke, die 
über den Thermodon führt; hier kämpfen die beiden Führer, der Athener- 
könig Theseus und die Amazonenkönigin Talestris, deren hoch sich 
bäumende Rosse sich in einander verbeissen. Hinter Theseus drängen 
von der linken Seite die siegenden Athener nach, rechts eilen die Ama-
        

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